Hiatushernie / Paraösophageale Hernie / Mischhernie

Definition:

→ I: Paraösophageale Hernie:

→ 1) Bei der paraösophagealen Hernie besteht eine Verlagerung von Magenanteilen, in ausgeprägten Fällen auch von Kolon-, Dünndarm- und Omentumanteilen, neben den Ösophagus in das Mediastinum.

→ 2) Dabei handelt es sich um einen echten Bruch, da der Bruchsack aus Peritoneum besteht und die entsprechenden Abdominalorgane vollständig von der Lunge abgrenzt sind.

II: Mischhernie:

→ 1) Sie stellt eine Kombination aus axialer und paraösophagealer Hernie dar und entwickelt sich initial meist aus einer rein axialen Gleithernie.

→ 2) Im weiteren Krankheitsverlauf verlagern sich zunehmend Magenanteile durch den dilatierten Hiatus oesophageus paraösophageal.

3) Eine wichtige Unterschied zur paraösophagealen Hernie ist die Verlagerung der Kardia nach intrathorakal.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Bei der paraösophagealen Hernie ist die Lage der Kardia regelrecht und somit der His-Winkel normal (Anatomie des Ösophagus). In diesem Zusammenhang ist auch die untere Ösophagussphinkterfunktion intakt, sodass die Patienten meist keine Refluxsymptomatik aufweisen.

→ B) Die Maximalform der paraösophagealen Hernie ist der totale Thoraxmagen = upside-down-stomach.

654 Schematische Darstellung der paraösophagealen   bzw. Mischhernie

 

Epidemiologie:

→ I: Paraösophageale Hernie:

1) Die Inzidenz liegt bei 5%, wobei die Entstehung auf einen angeborenen gemeinsam, angelegten Hiatus communis (Ösophagus und Aorta) zurückzuführen ist.

→ 2) Die paraösophageale Hiatushernie neigt häufig zur Progression.

→ II: Mischhernie: Sie tritt deutliche häufiger als die rein paraösophageale Hernie auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

 

Klinik:

→ I: Paraösophageale Hernie:

→ 1) In 50% der Fälle verläuft sie klinisch stumm.

→ 2) Charakteristische Symptome sind retrosternale Schmerzen, Völlegefühl, Dysphagie, Regurgitation, evtl. auch Übelkeit und Erbrechen.

→ 3) Evtl. Zeichen einer Gastritis oder Ulzeration, die mit einer chronischen Blutungsanämie enhergehen können. 

550 Klinische Stadieneinteilung der paraösophagealen Hiatushernie

 

→ Klinisch-relevant: Beim Roemheld-Syndrom handelt es sich um eine Verlagerung von Magen-Anteilen in den Thoraxraum. Durch Verdrängung des Mediastinums und Herzens bilden sich kardiale Symptome aus, die fast ausschließlich postprandial entstehen. Zu den klinischen Beschwerden gehören Dyspnoe, Tachykardie, Extrasystolen und pectanginösen Beschwerden.

 501 Charakteristika der paraösophagealen Hiatushernie

 

II: Mischhernie: Die Symptome entsprechen den der paraösophagealen Hernie, evtl. kann sich jedoch eine Refluxsymptomatik ausbilden

 

Komplikationen: Sind insbesondere:

→ I: Up-side-down-stomach: Sie stellt als Thoraxmagen die Extremform der paraösophagealen Hernie dar. Charakteristischerweise steht der Magen kopfüber (up-side-down), um seine Längsachse rotiert im Thoraxraum (= partieller/kompletter Magenvolvulus).

→ II: Strangulation, Inkarzeration und Blutungen,

→ III: Ileussymptomatik: Bei Abknickung und Inkarzeration von Darmanteilen entwickeln sich klinische Symptome eines akuten Abdomens.

IV: Ulkusentstehung: Im Bereich des Schnürrrings auf Höhe des Hiatus ösophageus können sich Ulzerationen manifestieren (= riding ulcer).

 

Diagnose:

→ I: Anamnese und klinische Untersuchung.

→ II: Röntgenbreischlucken in Kopftieflage.

III: Ösophagogastroskopie mit Histologie und Biopsie (Siehe auch axiale Gleithernie).

 

Differenzialdiagnose: Von der paraösophagealen / Mischhernie sind insbesondere nachfolgende Erkrankungen abzugrenzen:

→ I: Mediastinaltumoren,

→ II: Epiphrenische Divertikel,

→ III: Differenzialdiagnose der gastroösophagealen Refluxkrankheit.

 

Therapie: Jede (auch asymptomatische) paraösophageale Hernie stellt aufgrund der Progressionsneigung und der potenziellen Komplikationen immer eine absolute Operationsindikation dar.

→ I: Paraösophageale Hernie:

→ 1) Transabdominelle Reposition der Organe,

2) Resektion des Bruchsackes und Verschluss der Bruchlücke (bei bestehendem Hiatus communis ist eine ventrale Hiatoplastik indiziert).

→ 3) Des Weiteren erfolgt eine hintere Gastropexie zur dorsalen Fixierung des Magens sowie eine vordere Fundophrenicopexie zur Fixierung des Magenfundus an die Zwerchfellunterseite.

→ 4) Bei großen Hiatusdefekten ist evtl. eine Hiatoplastik mittels eines nicht-resorbierbaren Netzes indiziert.

→ II: Mischhernie: Auch hier ist aufgrund der Komplikationsgefahr (z.B. Inkarzeration) immer eine Operationsindikation gegeben. Die operative Therapie entspricht der paraösophagealen Behandlung (siehe auch axiale Gleithernie).