Spannungspneumothorax

Definition: Beim Spannungspneumothorax handelt es sich um eine lebensbedrohliche Komplikation des Pneumothorax meist traumatischer Genese.

 

Ätiologie:  

 I: Gerade nach traumatischen Verletzungen durch Einspießung ins Lungengewebe.

 II: Hochgradiges Trauma des Brustkorbes ( Verkehrsunfall, Einklemmung, Überrollen).

 III: Barotraumata z.B. durch Druckveränderungen bei der Beatmung, insbesondere bei Patienten mit schwerer Pneumonie, Rippenfraktur oder ARDS.

 IV: Stichverletzungen mit Verletzung der Pleurahöhle oder des Lungengewebes.

 

Pathogenese:

→ I: Durch Ausbildung eines Ventilmechanismus infolge einer Verletzung des Lungengewebes oder des Tracheobronchialsystems gelangt bei jeder Inspiration Luft in die Pleurahöhle, die jedoch exspiratorisch nicht entweichen kann.

→ II: Dies führt zu einem kontinuierlichen, intrapleuralen Druckanstieg mit Progredienz des Lungenkollaps und Verlagerung des Mediastinums (= Medialstinalshift) zur gesunden Seite.

→ III: Die typische Folge ist eine Kompression der gesunden Lunge ( und des Herz) sowie eine Behinderung des venösen Rückstroms ( Abknicken der V. cava mit Gefahr eines Rechtsherzversagens) mit Abnahme der HZV.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Ein Spannungspneumothorax führt innerhalb kurzer Zeit zu einer vital-bedrohlichen Situation aufgrund der Verlagerung des Mediastinums zur gesunden Seite.

→ B) Bei Rippenfrakturen ist er zumeist mit einem Hämatothorax kombiniert.

 

Klinik:

→ I: Respiratorische Dekompensation:  Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose und respiratorische Insuffizienz.

→ II: Hämodynamisch: Blässe, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, arterielle Hypotonie und obere Einflussstauung ( Differenzildiagnose: Herzbeuteltamponade).

→ III: Mögliche Manifestation eines z.T. monströsen Hautemphysems durch Eintritt von Luft ins subkutane Fettgewebe.

→ IV: Häufig entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine lebensbedrohliche Situation.

 

Diagnose:

→ I: Auskultatorisch zeigt sich einseitig ein fehlendes Atemgeräusch,

→ II: Hypersonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite (Seitenvergleich !).

 

203 Diagnostik des Spannungspneumothorax

 

 → III: Röntgen-Thorax:

→ 1) Charakteristisch ist der strukturfreie Luftraum (→ Aufhellung = schwarz) zwischen kollabierter Lunge und Thoraxwand.

→ 2) Zusätzlich manifestiert sich eine Verlagerung des Mediastinums zur gesunden Seite sowie Kompressionsatelektasen und ein Zwerchfelltiefstand auf der betroffenen Seite.

 

Merke: Die Diagnose des Spannungspneumothorax wird immer klinisch gestellt und radiologisch verifiziert.

 

Therapie:

→ I: Notfalltherapie zur Druckentlastung durch Punktion des Pleuraraumes im 2. ICR medioklavikular ( nach Monaldi → Rippenoberrand), womit der Spannungspneu aufgehoben wird. Dies kann mittels einer großlumingen Braunüle erfolgen.

→ II: Alternativ: Einbringen einer Kanüle nach Tiegel (→ am Kanülenkonus wird ein Gummifingerling, der ein Loch aufweist, mit einem Bindfanden befestigt).

1) Bei Exspiration kann Luft über das Loch im Gummifingerling entweichen;

→ 2) Bei der Inspiration kollabiert der Gummifingerling durch den Sog und legt sich über den Konus, um das Eindringen von Luft zu verhindern.

→ III: Stationär erfolgt anschließend die definitive Versorgung mit einer Thoraxdrainage.