Lungenkontusion

Definition: Die Lungenkontusion ist definiert als eine Schädigung des Lungenparenchyms durch stumpfe Gewalteinwirkung bzw. durch ein Dezelerationstrauma. Die Lungenparenchymschädigung verursacht eine  umschriebene Hämatombildung mit konsekutiver interstitieller Ödembildung und inflammatorischer Reaktion. Folgen sind u.a. Alveolarkollaps und evtl. die Entwicklung einer respiratorischen Insuffizienz.

→ Epidemiologie:

→ I: Bei ca. 34% der Patienten mit stumpfem Thoraxtrauma lässt sich eine Lungenkontusion nachweisen.

→ II: Inbesondere bei Rippenserienfrakturen (> 4 Rippen; meist im Bereich der 4.-10. Rippe) instabiler Thorax und der Skapulafraktur zeigen sich hohe Manifestationsrate mit ca. 50% der Fälle.

→ III: Patienten mit Polytrauma haben in 17% eine Lungenkontusion. 

 

Ätiologie:

→ I: Durch die Gewalteinwirkung kommt es initial zu einer Lungenparenchymblutung mit nachfolgender zytokininduzierter Steigerung der Permeabilität und Ausbildung eines interstitiellen bzw. alveolären, proteinreichen Ödems und Mikro-Atelektasen . Dies wiederum führt zu einer Surfactant-Schädigung und Ventilationsstörung der betroffenen Lungenareale.

II: Die betroffenen Lungenareale werden zu diesem Zeitpunkt nur noch perfundiert und nicht mehr ventiliert, was wiederum die Entwicklung eines Rechts-Links-Shunts (je nach Ausmaß der Parenchymschädigung) mit evtl. konsekutiver arterieller Hypoxie (respiratorische Insuffizienz) fördert.

 

Einteilung:

→ I: Einfache Lungenkontusion: Die Verletzung stellt sich nur radiologisch dar.

→ II: Lungenkontusion mit respiratorischer Insuffizienz: Hierbei fällt die arterielle Sauerstoffkonzentration unter die physiologische Norm ab.

 

Klinik:

→ I: Einfache Lungenkontusion: Die Symptome sind stark vom Ausmaß der Lungenverletzung abhängig und werden nicht selten durch die Begleitverletzungen wie Pneumothorax, Rippenfrakturen etc. überdeckt. Symptome sind u.a.: 

 

→ 1) Dyspnoe,

→ 2) Ateminsuffizienz,

→ 3) Hämoptoe. 

→ 4) Verlauf: Bei der einfachen Lungenkontusion zeigt sich nach 24-72h eine radiologische Besserung, nach 7-10 Tagen heilt sie meist komplikationslos aus.

 II: Lungenkontusion mit respiratorischer Insuffizienz: Klassische Symptome sind Dyspnoe, Hämoptoe, Anzeichen einer respiratorischen Insuffizienz mit:

→ 1) Unruhe,

→ 2) Tachykardie,

→ 3) Tachypnoe,

→ 4) Somnolenz,

→ 5) Evtl. Zyanose bei pO2 < 60mmHg. 

 

→ Komplikationen:

→ I: Gerade bei schweren Kontusionen entwickelt sich oftmals eine Pneumonie im betroffenen Bereich.

→ II: Ausbildung eines ARDS (= Acut-Respiratory-distress-Syndrom) mit sehr hohem Letalitätsrisiko.

 

Diagnose: Die Lungenkontusion entwickelt sich erst nach einigen Stunden, sodass das Röntgenbild initial unauffällig sein kann.

→ I: Einfache Lungenkontusion:

→ 1) Anamnese eines schweren stumpfen Thoraxtraumas aufgrund z.B. eines Verkehrsunfalls ist wegweisend.

→ 2) Röntgen-Thorax: Fleckige bis konfluierende Verschattungen auf der betroffenen Seite (Coup) oder der Gegenseite (contre-coup), z.T. sind ganze Lungenlappen betroffen. 

→ 3) Arterielle Blutgasanalyse: Sollte wiederholt durchgeführt werden, um eine evtl. Intervention frühzeitig einzuleiten.

 

 Klinisch-relevant:

→ A) Sie bildet sich meist erst 6-8h nach dem Trauma aus, die Rückbildung dauert ca. 2-4 Tage.

→ B) Deshalb ist eine wiederholte radiologische Kontrolle der Lunge zum Nachweis einer Kontusionsentwicklung von großer Bedeutung.

 

→ II: Lungenkontusion mit respiratorischer Insuffizienz:

→ 1) BGA: Regelmäßige Kontrolle zur Erfassung einer zunehmenden respiratorischen Insuffizienz und somit zur frühzeitigen Einleitung von Interventionen.

→ 2) Spiral-CT + Kontrastmittel: Dient der genauen Darstellung des Ausmaßes der Kontusion und zeigt zudem mögliche Begleitverletzungen auf.

222 Differenzialdiagnose Lungenkontusion Lungenlazeration

 

Therapie:

→ I: Einfache Lungenkontusion:

→ 1) Hierbei reicht eine intensive Atemtherapie.

→ 2) Ausreichende Anlagesie bei Begleitverletzungen wie Rippenfrakturen

→ II: Lungenkontusion mit respiratorischer Insuffizienz: Bei der respiratorischen Insuffizienz ist die maschinelle Beatmung mit endexspiratorischem Überdruck (PEEP) das Mittel der 1. Wahl.