Oberflächliche Thrombophlebitis

Definition:

→ I: Bei der Thrombophlebitis handelt es sich um eine Thrombosierung einer epifaszialen Vene zumeist aufgrund einer abakteriellen Entzündung.

→ II: Entsteht eine oberflächliche Thrombophlebitis in einem varikös veränderten Venensegment (z.B. Oberschenkel, Unterschenkel) spricht man von einer Varikophlebitis.

→ III: Septische Thrombophlebitis: Es besteht hierbei eine zusätzliche bakterielle Kontamination. Hauptlokalisationsorte sind Ober- und Unterschenkel.

 

Ätiopathogenese:

→ I: Obere Extremität: Thrombophlebitiden der obere Extremität werden zumeist iatrogen infolge von Injektionen (z.B. intimareizende Medikamente), Infusionen (z.B. hyperosmolare Lösungen) Venenverweilkanülen oder i.v. Drogenapplikationen verursacht.

→ II: Untere Extremität: Sie werden insbesondere durch mechanische Mikrotraumen (z.B. Stoßverletzungen) und Immobilisation in varikös vorgeschädigten Venen.

 

Klinik: Charakteristikum der oberflächlichen Thrombophlebitis ist der lokalisierte Schmerz einer strangförmig verdickten und zumeist geröteten oberflächlichen Vene. Des Weiteren zeigen sich Entzündungszeichen wie Calor, Dolor, Rubor, Tumor. Allgemeinsymptome wie Temperaturanstieg, BSG-Beschleunigung und Leukozytose sind selten.

 

Klinisch-relevant: Eine Schwellung der betroffenen Extremität bleibt aus, da das Blut über die distal gelegenen Perforansvenen in die tiefen Beinvenen abfließen kann.

 

Komplikationen:

→ I: Bei der Thrombophlebitis besteht in 20% der Fälle die Gefahr des Übergreifens der Entzündung über insuffiziente Perforansvenen oder die Crosse (= Mündungsklappe der V. saphena magna bei aszendierender Phlebitis) auf das tiefe Beinvenensystem mit Entwicklung einer Phlebothrombose und möglicher Lungenembolie; dies wird auch als sogenannte Kragenknopfphlebitis bzw. Kragenknopfthrombose bezeichnet.

→ II: Selten manfestiert sich eine bakterielle Infizierung mit möglicher  Ausbildung einer Sepsis.

 

→ Diagnose:

→ I: Es handelt sich hierbei in der Regel aufgrund des charakteristischen klinischen Bildes um eine Blickdiagnose. 

→ II: Sonographie: Darstellung der betroffenen Abschnitte, die u.U. klinisch schwer zugänglich sind. Des Weiteren ist der Ausschluss einer Ausbreitung des Thrombus in der V. saphena magna über die Crosse in das tiefe Beinvenensystem mittels Duplexsonographie möglich.

→ III: Histopathologie:

→ 1) Charakteristikum ist der Nachweis von Entzündungszellen in der Venenwand sowie die Verlegung bzw. der Verschluss des Gefäßlumens.

→ 2) Im weiteren Krankheitsverlauf findet entweder eine Rekanalisation statt oder es erfolgt eine bindegewebige Durchsetzung (= Phlebosklerose) mit evtl. Kalkeinlagerung (= Phlebokalzinose).

 

Differenzialdiagnose: Von der oberflächlichen Thrombophlebitis abzugrenzen sind u.a.:

 

 

031 Differenzialdiagnosen der oberflächlichen Thrombophlebitis

 

 

Therapie:

→ I: Allgemeinmaßnahmen:

→ 1) Sofortige Entfernung des auslösenden Venenverweilkatheters.

→ 2) Eine Immobilisation des Patienten ist wegen der Beteiligung des tiefen Beinvenensystems infolge eines appositionellen Thrombuswachstums zu vermeiden.

→ II: Symptomatische Therapie:

→ 1) Die Behandlung der Schmerzen sollte mit Hilfe von kalten Umschlägen, Salbenverbänden oder der oralen NSAR-Gabe wie z.B. Diclofenac, ASS oder Indometacin erfolgen.

→ 2) Anlage eines straffen Kompressionsverbandes,

→ 3) Insbesondere bei bettlägerigen Patienten und bei ausgeprägter Thrombophlebitis der V. saphena magna ist eine Thromboseprophylaxe mittels Low-Dose-Heparinisierung indiziert.

→ 4) Eine septischer Thrombophlebitis mit entsprechendem klinischem Bild und phlegmonöser Entwicklung erfordert eine hochdosierte Antibiotikatherapie.

→ III: Chirurgische Therapie: Bei einer abszedierenden Thrombophlebitis ist eine Stichinzision mit konsekutiver Entfernung des thrombotischen Materials zu erwägen.

 

Prognose:

→ I: Zumeist bildet sich die Entzündung nach 1-2 Wochen zurück, wobei die Vene z.T. noch einige Wochen bis Monate als derber Strang tastbar ist.

→ II: Die Gefahr der Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms bzw. einer Lungenembolie ist im Gegensatz zur Phlebothrombose sehr gering.