Perilunäre Luxation/ Lunatumluxation

Definition:

→ I: Bei der perilunären Luxation handelt es sich um eine Verschiebung der distalen Reihe der Handwurzelknochen, sowie des Os triquetrum und Os scaphoideum gegen das Os lunatum (Mondbein bleibt in der normalen Position bestehen). Besteht gleichzeitig eine Skaphoidfraktur spricht man von einer De-Quervain-Luxationsfraktur.

→ II: Lunatumluxation: Luxation des Os lunatum aus dem ligamentären Verbund bevorzugt nach palmar.

 

Ätiologie:

→ I: Hochrasantztraumat mit Sturz auf das überstreckte (dorsal-flexierte) Handgelenk.

→ II: Nicht selten ist der Proc. styloideus radii/ulnare, das Os scaphoideum ( De-Quervainfraktur) oder das Os capitatum mitbetroffen.

 

Klassifikation:

→ I: Dorsale perilunäre  Luxation (90%)

II: Palmare perilunäre Luxation,

→ III: Transstyloperilunäre Luxation;

→ IV: Transscaphoido-Transcapitato-perilunäre Luxation,

→ V: De-Quervain-Luxationsfraktur: Fraktur des Os scaphoideum und Luxation des Os lunatum.

→ VI: Subluxation des Os Lunatum und des Os scapoideum.

214 Stadieneinteilung der perilunaeren Luxation

 

Klinik:

→ I: Schwellung und Verformung des Handrückens.

→ II: Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, evtl. auch -aufhebung.

→ III: Mögliche Bajonettstellung aufgrund der Verschiebung der Handwurzelknochen gegen das Os lunatum.

→ IV: Lunatumluxation:

1) Hierbei findet man bei Palmarluxation bevorzugt eine Sensibilitätsstörung (Hypästhesie) im Versorgungsgebiet des Nervus medianus (= Parästhesien im palmaren Bereich der Digitus I-III) vor.

→ 2) Bei Dorsalluxation sind Strecksehnenrupturen möglich.

 

Komplikationen: 

 I: Luxationen im Handwurzelbereich können immer mit Durchblutungsstörungen und Nekrosegefahr einhergehen.

II: Insbesondere bei palmarer Luxation kann sich ein traumatisches Karpaltunnelsyndrom infolge einer Medianusschädigung manifestieren.

→ III: Bei der selteneren dorsalen Luxation kann es zu einer Ruptur der Strecksehnen kommen.

 

Diagnose:

→ I: Klinische Untersuchung: DSM- (Durchblutung-Sensibilität-Motorik)-Kontrolle,

II: Röntgen des Handgelenks in 2 Ebenen:

→ 1) Dorsopalmar: Das Os Lunatum weist eine atypische Dreiecksform auf, die Karpalbögen (= Gilula-Linien) sind unterbrochen.

→ 2) Seitlich: Evtl. luxierte Stellung des Os lunatum nach palmar oder dorsal nachweisbar.

 

→ Klinisch-relevant: Immer auch auf weitere Frakturen sowie Anbrissfrakturen achten.

 

Therapie: Es handelt sich hierbei immer um eine Notfallsituation.

→ I: Konservativ: Primär Versuch die Luxation geschlossen zu reponieren. Dazu wird die betroffene Hand nach einer Plexusanästhesie an einem Mädchenfänger aufgehängt (mit einem Gewicht von 4-6kg über 20min) und nachfolgend manuell unter röntgenologischer Kontrolle reponiert. Evtl. ist eine perkutane Fixierung des Os lunatum (in regelrechter Position) gegen das Os capitatum und Os scaphoideum mittels Kirschner-Draht indiziert. Nach erfolgreicher Reposition evtl. Anlage eines Oberarmgips mit Daumeneinschluss über 6 Wochen und anschließend nochmals oder primäre Anlage eine Unterarmgips mit Daumeneinschluss für weitere 6-8 Wochen.

II: Operativ:

→ 1) Indikation: Misslungener Repositionsversuch, Reluxationstendenz.

2) Sofortige offene Reposition (über dorsalen Zugang, bei Nervus Medianus-Irritation volarer Zugang) und Fixation durch Kirschnerdraht.

→ 3) Bei einer perilunären transskaphoidaler Luxationsfraktur muss eine zusätzliche Osteosynthese des Os scaphoideum erfolgen.

4) Anlage eines Gips analog der konservativen Therapie bzw. Unterarmgips für mindestens 8 Wochen. Der Kirschner-Draht wird anschließend entfernt.

 

Klinisch-relevant: Die De-Quervain-Luxationsfraktur ist immer eine OP-Indikation: Zuerst erfolgt eine geschlossene Reposition, nachfolgend eine Schraubenosteosynthese ggf. bei Reluxationstendenz Fixierung mittels Kirschnerdraht. Postoperative Ruhigstellung analog der Lunatumluxation.

 

Komplikationen:

→ I: Lunatumnekrose,

→ II: Reluxation,

→ III: Chronische Schmerzen mit der Gefahr der Arthrosebildung,

→ IV: Bewegungseinschränkung.

 

Prognose: Eher ungünstig, da häufiger Bewegungseinschränkungen bestehen bleiben und/oder sich eine Arthrose entwickelt.