Jodid / Jodsalze

Definition:

→ I: Bei Jodid handelt es sich um ein essenzielles Element der Schilddrüsenhormone.

II: Jodid wird u.a. zur Behandlung der Jodmangelstruma und zur Rezidivprophylaxe eingesetzt.

7 Physiologischer Jodidbedarf abhängig vom Alter

 

 

→ Physiologie: (des Jodid) Der tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen liegt bei 200µg, bei Säuglingen und Kindern je nach Alter zwischen 50-150µg/d. Insbesondere während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Jodbedarf deutlich erhöht (250µg/d). Ist die Jodid-Konzentration im Blut vermindert und manifestiert sich ein beginnendes Absinken der Schilddrüsenhormon-Konzentration kommt es aufgrund der verminderten negativen Rückkopplung zu einer vermehrten hypophysären TSH-Ausschüttung. Folge ist ein Stimulus der Schilddrüse mit gesteigerter Aktivität und Zellvermehrung (= Jodmangelstruma mit Euthyreose). Deutschland stellt ein Jodmangelgebiet dar und es gibt eine Menge von Nahrungsmitteln und Medikamenten (strumigene Wirkung), die den Jodidbedarf erhöhen:

8 Strumigen wirkende Nahrungsmittel und Medikamente

 

Wirkmechanismus:

→ I: In geringen Dosen fördert es die Schilddrüsenhormon-Produktion.

→ II: In hohen Dosen hemmt es die Hormonsynthese, wirkt also thyreostatisch.

→ III: Prophylaktisch während der Schwangerschaft und Stillzeit in Jodmangelgebieten und bei positiver Familienanamnese. 

 

Indikation:

→ I: Therapie und Prophylaxe einer euthyreoten Struma.

→ II: Plummerung: Zur akuten Behandlung der thyreotoxischen Krise. Es wird hierbei kurzfristig hochdosiert Kaliumjodid appliziert, um die Jodaufnahme und den -einbau zu hemmen. Folge ist eine Blockade der Schilddrüsenhormon-Freisetzung (die Wirkung tritt innerhalb von 24h ein und erreicht ihr Maximum nach 10 Tagen).

 

Dosierung:

→ I: Prophylaxe/Behandlung einer Jodmangelstruma: 100-200µg/d, in der Schwangerschaft und Stillzeit 200µg/d.

→ II: Verhinderung eines Strumarezidivs nach erfolgter Strumatherapie 100-200µg/d.

9 Jodiddosierung bei Jodmangelstruma abhängig vom Lebensalter

 

 

→ Pharmakokinetik: Jodid-Ionen werden nach peroraler Substitution schnell und vollständig im Dünndarm resorbiert und zum Großteil innerhalb der nächsten 12 Stunden wieder renal eliminiert. Nur ein geringer Anteil wird insbesondere in der Schilddrüse zurückgehalten.

 

Nebenwirkungen:

→ I: Nicht selten verursachen Jodsalze Haut- und Schleimhautreizungen (z.B. Gingivitis) mit Exanthem, Parotisschwellung, Jodschnupfen, Jodakne, aber auch Konjunktivitis und Bronchitis insbesondere bei chronischer Applikation hoher Dosen.

→ II: Auslösung einer jodinduzierten Hyperthyreose (von der latenten - zur manifesten Hyperthyreose) bzw. Verstärkung einer Hyperthyreose bei gleichzeitigem Bestehen einer Schilddrüsenautonomie.

 

→ Klinisch-relevant: Jodhaltige organische Verbidungen wie in Röntgenkontrastmittel oder Amiodaron können allergische Reaktionen (Jodallergien) hervorrufen, nicht jedoch elementares Jod.

 

Kontraindikationen: Sind u.a.:

→ I: Latente oder manifeste Hyperthyreose,

→ II: Autoimmunthyreoditis wie die Hashimoto-Thyreoiditis,

→ III: Schilddrüsenautonomie,

→ IV: Bestehende medikamentöse Behandlung mit Amiodaron.

 

Wechselwirkungen:

→ I: Die gleichzeitige Behandlung mit Lithium kann die Entwicklung einer Hypothyreose begünstigen.

→ II: Die Kombination mit kaliumsparenden Diuretika (z.B. Triamteren oder Aldosteron-Antagonisten) kann eine Hyperkaliämie triggern.