Vitamin-D-Hormon / Vitamin D3 / Calcitriol

 

 

Definition:

→ I: Beim Vitamin-D3 handelt es sich um ein fettlösliches Vitamin.

→ II: Die für den Menschen wichtigen D-Vitamine sind:

→ 1) Cholecalciferol (Vit D3), das sich vom Cholesterin ableitet und

→ 2) Ergocalciferol (Vit D2), welches aus dem Ergosterin gewonnen wird.

 

Klinisch-relevant:

→ I: Nur in den ersten 2 Lebensjahren und im höheren Lebensalter ist eine Vitamin-D-Zufuhr indiziert. Ansonsten wird es über die Nahrung (Fisch, Fleisch, Milchprodukte 40%) und in der Haut nach UV-Exposition aufgenommen/gebildet.

II: Zur Kontrolle der Organismus-Versorgung mit Vitamin-D3 wird die 25-OH-Cholecalciferol-Konzentration (15-80ng/ml) bestimmt.

 

Physiologie:

Calcitriol:

→ I: Das Cholecalciferol (inaktives Vitamin-D3) wird unter dem Einfluss von UV-Licht in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol gebildet.

→ II: Um in seine aktive Form, Calcitriol, überführt zu werden, muss es in 2 Schritten hydroxyliert werden:

→ 1) Leber: Zu 25-OH-Cholecalciferol (= Calcifediol) und

→ 2) Niere: In den proximalen Tubuluszellen wird es anschließend über die 1-Alpha-Hydroxylase in 1-25(OH)2-Cholecalciferol (= Calcitriol) umgewandelt.

 

Klinisch-relevant: Die Aktivität der renalen 1-Alpha-Hydroxylase unterliegt einem strengen Regelkreislauf:

→ I: PTH, sowie der Mangel an Cholecalciferol, Kalzium und Phosphat steigern die Enzymaktivität,

→ II: Ein Mangel an Parathormon sowie eine erhöhte Konzentration an Cholecalciferol, Kalzium und Phosphat senkt die renale 1-Alpha-Hydroxylase-Aktivität.

 

Wirkungsmechanismus: Die Wirkung von Calcitriol ist Rezeptor-vermittelt. Nach Bindung von Calcitriol an den Vitamin-D-Rezeptor gelangt dieser vom Zytosol in den Zellkern und lagert sich an die DNA an. Folge ist eine Beeinflussung der Transkription verschiedener Gene:

→ I: MD-Trakt: Es steigert die Resorption von Kalzium und Phosphat aus dem Darm (die Ca-Resorption nimmt Richtung distal ab).

→ II: Niere: Analog zum Darm fördert es die Kalzium und Phosphat- Rückresorption im Tubulus.

 

Merke: Folge ist ein vermehrtes Angebot an Kalzium und Phosphat zur Mineralisation des Knochens ( indirekt).

 

→ III: KnochenstoffwechselDie Wirkung des Vitamin-D-Hormons ist die Aktivierung der Osteoklasten mit konsekutiver Knochenresorption zur Mobilisation von Kalzium und Phosphat. Letztendlich führt dies über die durch die Osteoblasten neu gebildete Knochenmatrix indirekt zum Knochenaufbau.

 

Merke: Calcitriol ist somit kein Hormon, das die Knochenbildung direkt fördert.

 

IV: Nebenschilddrüse: Zudem senkt aktives Vitamin D indirekt über die Erhöhung des Serumkalziums die Parathormon-Konzentration (z.B. sekundären Hyperparathyreoidismus bei Dialyse-Patienten).

V: Des Weiteren verbessert es die Muskelleistung sowie die neuromuskuläre Koordination.

 

Indikation:

→ I: Zur Prophylaxe der Rachitis bei Kleinkindern, meist mit Fluorid kombiniert.

→ II: Behandlung der Osteomalazie,

→ III: Hypoparathyreoidismus,

→ IV: Renale Osteopathie bei chronischer Niereninsuffizienz (ein Calcitriol-Mangel induzierte einen sekundären Hyperparathyreoidismus).

→ V: Calcipotriol: Modifiziertes Vitamin-D-Derivat wird zur lokalen Anwendung bei der Behandlung der Psoriasis eingesetzt. Es wirkt u.a. antiproliferativ.

 

Dosierung: Initial 25µg/d p.o., evtl. Dosissteigerung auf 2 x 25µg/d. Nach Dialyse 0,25-0,5µg i.v.; die  anschließende Dosierung richtet sich nach der Serumkalzium-Konzentration.

 

Nebenwirkungen: Sind u.a. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Hyperkalzämie.

 

Wechselwirkungen:

→ I: In Kombination mit Thiaziden besteht die Gefahr der Hyperkalzämie.

II: Bei gleichzeitiger Einnahme mit Digitalis ist ein deutlich erhöhtes Risiko der Digitalisintoxikation gegeben.

→ III: Colestyramin und Glukokortikoide haben eine antagonistische Wirkung.

 

Kontraindikationen: Vitamin-D-Hypervitaminose, Hyperkalzämie, SS und Stillzeit.