Anatomie des Magens

→ Anatomie: Der Gaster liegt intraperitoneal im Epigastrium, überwiegend links von der Mittellinie.

→ I: Der Magen besitzt 2 Kurvaturen, die kleine Kurvatur (= Curvatura minor), die nach rechts und die große Kurvatur (= Curvatura major), die nach links gerichtet ist.

→ II: Im Verlauf der kleinen Kurvatur ist die Incisura angularis nachweisbar, an der die Pars pylorica entspringt.

III: Die große Kurvatur beginnt im Bereich der Incisura cardialis und stellt den HIS-Winkel (50-60°) zwischen Ösophagus und Magen dar.

→ IV: Zudem wird der Magen in mehrere Abschnitte untergliedert:

→ 1) Pars cardiaca: Die Öffnung zum Ösophagus mit dem Ostium cardiacum.

→ 2) Fundus gastricus: Schließt sich der Pars cardiaca an und stellt die Magenkuppel dar.

→ 3) Corpus gastricum: Zentral gelegener Magenkörper, der den Hauptanteil des Magens darstellt.

→ 4) Pars pylorica: Mit dem Antrum pyloricum, Canalis pyloricus und dem M. sphincter pyloricus, der die Verbindung zum Duodenum herstellt. 

 

→ Klinisch-relevant: Bei Verlust des HIS-Winkels (50-60°) infolge einer unzureichenden Fixierung am Diaphragma, kann sich ein Reflux von Magensaft in den Ösophagus (= Refluxösophagitis) entwickeln.

 

 → Histologie: Auch der Magen weist die charakteristische Wandarchitektur des Gastrointestinaltraktes auf. Zur Oberflächenvergrößerung der Magenschleimhaut existiert ein komplexes Wandrelief; hierzu zählen:

→ I: Wandrelief:

→ 1) Plicae gastricae: (= Reservefalten) Hierbei handelt es sich um längsverlaufende Magenfalten die das Hochrelief bilden. Im Bereich der kleinen Kurvatur bilden 2-3 Längsfalten die Magenstraße (= Canalis gastricus).  

→ 2) Areae gastricae: Ein Flachrelief aus Magenfeldern, in die die Magengrübchen punkt- oder schlitzförmig münden.

→ 3) Foveolae gastricae: (= Magengrübchen) Hier münden die Magendrüsen. Die zwischen den Foveolae aufragenden Epithelkämme werden als Plicae villosae bezeichnet.

→ II: Der Wandaufbau des Magens besteht aus nachfolgenden Schichten (von innen nach außen):

→ 1) Tunica mucosa: Innere Magenschleimhaut, ein einschichtig hochprismatisches Epithel.

→ 2) Tela submucosa: Stellt eine bindegewebige Verschiebeschicht zwischen Mucosa und Muscularis dar.

→ 3) Tunica muscularis: Dreischichtigkeit mit dem Stratum longitudinale (ist die äußere Längsmuskulatur), Stratum circulare (= Ringmuskelschicht, die innen der Längsmuskelschicht anliegt. Im Bereich des Pylorus ist die Ringmuskelschicht zum M. sphincter pyloricus verdickt) und die Fibrae oblique (= innen schräg-verlaufende muskelzügen, die an der kleinen Kurvatur fehlen.

→ 4) Tunica serosa: Da der Magen intraperitoneal liegt, wird er vom Peritoneum visceralis bedeckt.

552 Schematische Darstellung der Magenwandschichten

→ III: Magenmukosa: Die Magenmukosa enthält zahlreiche Magendrüsen (Kardiadrüsen, Fundusdrüsen, Pylorusdrüsen), die wiederum verschiedene Zelltypen beinhalten:

1) Nebenzellen: Sezernieren bikarbonathaltigen Magenschleim und sind vor allem im Bereich der Kardia lokalisiert.

→ 2) Hauptzellen: Sezernieren Pepsinogen und sind im Bereich des Korpus lokalisiert.

→ 3) Belegzellen: (= Parietalzellen) Bilden die Magensäure durch luminale Abgabe von Protonen über die H+/K+-ATPase. Zudem sezernieren sie den Intrinsic-factor. Hauptlokalisationen sind Magenkorpus und Fundus.

→ 4) Die Pylorusdrüsen ähneln in ihrer Morphologie den intestinalen Brunner-Drüsen und weisen keine Haupt- und nur wenige Belegzellen auf; sie sezernieren Muzine zum Schutz der Magen- bzw. Duodenalwand vor Magensäure. Zudem existieren auch endokrine Zellen, sogenannte G-Zellen, die das Hormon Gastrin produzieren.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Gastrin führt über die Aktivierung von Phospholipase C und den Anstieg der intrazellulären Ca2+-Konzentration zur Sekretion von Magensäure aus den Belegzellen und senkt somit den pH-Wert.

→ B) Steigert die Motilität der Gallenblase und des Dünndarms.

→ C) Stimuliert die Pepsinsekretion aus den Hauptzellen und

→ D) Steigert die Insulinsekretion des Pankreas.

 

Kontaktflächen: Der Magen weist an seiner Magenvorderwand und -rückwand einige Kontaktflächen mit Nachbarorganen auf.

→ I: Pars anterior: Leber, Diaphragma und Bauchwand.

→ II: Pars posterior: Milz, Pankreas, Niere, Nebenniere, Mesocolon transversum.

 

Arterielle Blutversorgung: Die Arterien stammen ausschließlich aus dem Truncus coeliacus. Der Arterienbogen der kleinen Kurvatur wird von der A. gastrica sinistra (direkt aus dem Truncus coeliacus) und der A. gastrica dexter (aus der A. hepatica propria) gespeist. Den Arterienbogen der großen Kurvatur wird von der A. gastroepiploica dexter (aus der A. gastroduodenalis) und der A. gastroepiploica sinistra (aus der A. lienalis) gebildet. Aus den beiden Arterienbögen entspringen fast im rechten Winkel 8-15 Hauptäste zur Vorder- unf Rückwand des Magens. Mehrere Aa. gastricae breves (aus der A. lienalis) erreichen über das Lig. gastrosplenicum die Vorder- und Rückwand des Magenfundus. Bei 60% der Bevölkterung existiert eine A. gastrica posterior (aus der A lienalis), die an der Hinterfläche zum kardianahen Fundusbereich zieht und die Cardia und den abdominalen Ösophagus versorgt. 

553 Arterielle Gefäßversorgung des Magens

 

Venöser Abfluss: Die Venen des Magens leiten alle das Blut in die Vena portae hepatis und entsprechen in ihrem Verlauf den Arterien. Der Venenbogen der kleinen Kurvatur wird von der V. gastrica sinistra und V. gastrica dextra gebildet, die häufig die V. praepylorica von der Vorderseite des Pars pylorus aufnimmt. Den Venenbogen der großen Kurvatur wird durch die V. gastroomentalis dextra (Abfluss über die V. mesenterica superior) und gastroomentalis sinistra (Abfluss über die V. lienalis).

559 Venöser Abfluss des Magens

 

Klinisch-relevant: Kommt es im Zuge einer Leberzirrhose zur portalen Hypertension, entwickeln sich portocavale Anastomosen über die Ösophagus-Venen. Folge ist eine Dilatation der ösophagealen Venen (= Ösophagusvarizen) mit der Gefahr der Ruptur (= akute Varizenblutung). 

 

Lymphabfluss: Der Lymphabfluss des Magens erfolgt über nachfolgende 3 Lymphstationen:

I: Kompartment 1: Lk entlang des Magens stellen das 1. Kompartment dar. An der kleinen Kurvatur befinden sich die Nodi lymphoidei gastrici, an der großen Kurvatur kranial die Nn. lymphoidei splenici, kaudal die Nn. lymphoidei gastroomentalis und im Bereich des Pylorus die Nn. lymphoidei pylorici.

→ II: Kompartment 2: Lymphknoten entlang der größeren Gefäße wie die A. gastrica sinistra, A. hepatica communis und Truncus coeliacus.

III: Kompartment 3: Lymphknoten am Lig. hepatoduodenale und retroperitoneale Lk hinter dem Pankreaskopf, an der Mesenterialwuzel und paraaortal.

 

Klinisch-relevant: Die LK-Stationen spielen in der chirurgischen Therapie des Magenkarzinoms (bzw. Magenfrühkarzinoms) eine wichtige Rolle. Die ersten beiden Kompartments werden in der Regel mit dem Magen entfernt. Bei Befall der dritten Station ist meist keine kurative Therapie mehr möglich.

 

Innervation: Die vegetative Nervenversorgung des Magens erfolgt über den Parasympathikus und Sympathikus.

→ I: Parasympathikus:

→ 1) Die präganglionären parasympathischen Fasern (= Rr. gastrici) erreichen den Magen im Bereich der kleinen Kurvatur als Truncus vagales anterior et posterior.

 

Klinisch-relevant: Aufgrund der entwicklungsgeschichtlichen Magendrehung geht der Truncus vagalis posterior aus dem rechten, der Truncus vagalis anterior aus dem linken Vagus hervor.

 

 → 2) Aufteilung des Vagus oberhalb des Hiatus in:

→ A) Truncus vagalis anterior: Er verläuft an der Vorderseite der Curvatura minor und versorgt die Magenvorderwand. Zudem gibt er den R. pyloricus sowie die Rr. hepatici zur Innervation der pars pylorica ab.

B) Truncus vagalis posterior: Verläuft an der Magenrückwand. Zusätzlich werden die Rr. criminales abgegeben zur vegetativen Innervation der Fundusrückwand.

→ 3) Der Pylorusbereich wird durch eigene Rr. hepatici, die aus den Trunci vagales entstammen, versorgt.

→ 4) Der Parasympathikus fördert die Magenperistaltik und steigert die Magensäureproduktion.

→ II: Sympathikus:

→ 1) Die präganglionären sympathischen Fasern treten als Nn. splanchnici major et minor durch das Diaphragma und erreichen die Ganglia coeliaca, wo sie auf postganglionäre Neurone umgeschaltet werden.

→ 2) Der Sympathikus hat eine antagonistische Wirkung zum Parasympathikus und hemmt u.a. die Durchblutung und Peristaltik des Magens bzw. vermindert die Säureproduktion.