Alport-Syndrom / Progressive hereditäre Nephritis

Definition: Das Alport Syndrom beschreibt eine seltene, meist X-chromosomal-dominant vererbte, glomeruläre Nephropathie infolge eines Defektes des Kollagen Typ-4 und ist durch eine tubulointestitielle Nephritis, Hämaturie, zunehmende Niereninsuffizienz sowie eine hereditäre Taubheit und Veränderungen der Linse gekennzeichnet.

Epidemiologie:

→ I: Die Prävalenz liegt bei 1/5000-1/10000.

→ II: Da es in 85% X-chromosomal-dominant vererbt wird, sind meist Männer betroffen.

III: Bei weiblichen Trägern zeigt sich das Alport-Syndrom in einer milderen Verlaufsform ohne Niereninsuffizienz.

→ IV: In 15% wird es jedoch autosomal-dominant bzw. -rezessiv vererbt, sodass Männer wie Frauen gleiche Symtome aufweisen.

 

Ätiologie: Die Ursache beruht auf einer Mutation in der Alpha-5-Kette des Kollagen-IV (bei der autosomal vererbten Form in der Alpha-3-Kette). Folge ist eine strukturelle Veränderung der glomerulären Basalmembran mit anschließender Nephrosklerose.

 

Klinik:

→ I: Niere: Charakteristische Symptome sind Mikrohämaturie (seltener rezivierende Makrohämaturie), Proteinurie und eine progrediente Niereninsuffizienz mit Anstieg Nierenretentionswerte.

→ II: Innenohr: Bei bis zu 50% der Betroffenen entwickelt sich in der Adoleszenz eine beidseitige Innenohrschwerhörigkeit im Mittel- und Hochfrequenzbereich, die im weiteren Krankheitsverlauf in Taubheit übergeht.

→ III: Augen: Sie tritt in 10% der Fälle auf und betrifft die Linse (Katarakt, Lenticonus = kegelförmige Vorwölbung der Linse) und die Retina.

→ IV: Des Weiteren sind nephrotische Verlaufsformen möglich; im fortgeschrittenen Krankheitsstadium manifestiert sich zumeist eine arterielle Hypertonie.

359 Klinische Symptomatik anhand des Alport Typus

 

Klinisch-relevant: Die Kombination aus Mikrohämaturie und Schwerhörigkeit sollte bei jungen Männer immer an ein Alport-Synrom denken lassen.

 

Diagnose:

→ I: Anamnese und klinische Untersuchung: Familiäre Schwerhörigkeit und Niereninsuffizienz legen die Diagnose nahe.

II: Nierenbiopsie: Darstellung der charakteristisch veränderten Basalmembran mit Verdickung, Fragmentierung und Lamellierung (Rarefizierung und Aufsplitterung der BM). Die immunfluoreszenz-mikroskopische Untersuchung ist stets negativ.

 

Therapie:

→ I: Eine kausale Therapie besteht bis heute nicht.

→ II: Medikamentös: Die Gabe von ACE-Hemmern bzw. AT1-Hemmern kann durch Senkung der intraglomerulären Drücke die terminale Niereninsuffizienz hinauszögern.

→ III: Bei bestehender terminaler Niereninsuffizienz ist neben der Hämodialyse auch die Nierentransplantation eine weitere Therapieoption.

 

Prognose:

→ I: Männer entwickeln in fast allen Fällen eine terminale Niereninsuffizienz, bei Frauen ist dies nur selten der Fall.

→ II: Nach einer Nierentransplantation kommt es in 5% der Fälle zum Auftreten von Anti-g-BM-Antikörpern.