Urämie

Hauptkategorie: Innere Medizin
Kategorie: Nephrologie
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 06. Juni 2019 13:44
Veröffentlicht am Sonntag, 13. April 2014 19:00
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Definition: Die Urämie beschreibt einen Symptomkomplex, der sich aufgrund einer deutlich verminderten bis fehlenden renalen Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten ausbildet und schließlich zu einer vital bedrohlichen Situation führt. Das klinische Bild wird durch die Azotämie (= Retention stickstoffhaltiger Abbauprodukte im Blut) geprägt und entwickelt sich zumeist auf dem Boden einer chronischen Niereninsuffizienz oder eines akuten Nierenversagens.

Ätiologie.

→ I: Exkretorische Insuffizienz: Es manfestiert sich eine Retention ausscheidungspflichtiger Produkte (Harnstoff, Polyamine, aliphatische und aromatische Amine sowie Phenole), Störung des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Base-Haushaltes.

II: Inkretorische Insuffizienz: Sie verursacht eine Störung im Hormonhaushalt mit mangelnder Bildung von Erythropoetin und Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels.

→ III: Auslösende Faktoren: Sind z.B.:

→ 1) Metabolische Azidose,

→ 2) Überwässerung,

→ 3) Malnutrition.

 

Klinik:

→ I: Gastrointestinal: Foetor uraemicus Übelkeit, Erbrechen, urämische Gastritis, Diarrhoe, evtl. Pankreatitis.

→ II: Kardial: Perikarditis, arterielle Hypertonie, schwere bis lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auf dem Boden einer Hyperkaliämie (EKG-Befund: Hyperkaliämie).

→ III: Brochial: Entwicklung einer Pleuritis oder eines Lungenödems.

→ IV: Blut: Ausbildung einer normochromen, normozytären Anämie, Fehlfunktion der Thrombozyten mit Manifestaton von Petechien und erhöhter Blutungsneigung.

→ V: Neurologisch: Polyneuropathie (oder das Restless-Legs-Syndrom) herabgesetzte intellektuelle Leistungen bis hin zur urämischen Enzephalopathie.

→ VI: Muskulatur: Myoklonien, Muskelkrämpfe und Myopathien.

→ VII: Weitere Symptome: Sind: Entwicklung 

→ 1) Von Ödemen,

→ 2) Einer Metabolische Azidose mit Hyperventilation,

→ 3) Eines sekundären Hyperparathyreoidismus,

4) Einer renalen Osteopathie mit Weichteilverkalkung,

→ 5) Eines gelbbräunlichen Hautkolorits sowie

→ 6) Eines oftmals quälenden Juckreizes.

821 Charakteristische klinische Symptome der Urämie

Diagnose:

→ I: Klinisches Bild des Patienten, Nachweis eines Foetor uraemicus.

→ II: Bestimmung der Retentionswerte (Harnstoff, Kreatinin).

Therapie:

→ I: Akuttherapie: Ist die sofortige Dialysetherapie, die das Blut von harnpflichtigen Substanzen und ihren Metaboliten befreit.

806 Dialyseindikationen bei Urämie

→ II: Begleitende Maßnahmen:

→ 1) Eiweißrestriktion bei kalorienreicher Diät. Die geringe Eiweißaufnahme vermindert die Harnstoffsynthese.

→ 2) Genaue Flüssigkeitsbilanzierung

→ 3) Antihypertensive Therapie,

→ 4) Diuretikatherapie zur vermehrten Ausscheidung von Wasser, Elektrolyten und Harnstoff.