Membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN)

  Definition: Bei der membranoproliferativen GN findet man typischerweise eine Verdickung und Aufsplittung der Basalmembran (Schienenphänomen) bei gleichzeitiger Proliferation der mesangialen Zellen.

 

Epidemiologie: Die membranoproliferative Glomerulonephritis ist selten; es sind vor allem Kinder und junge Erwachsene zwischen dem 8.-30. Lebensjahr betroffen.

 

Ätiologie:

→ I: Primär: Idiopathisch,

→ II: Sekundär: Maligne Erkrankungen (Lymphom), Hepatitis B-, Hepatitis C-Infektion, Autoimmunerkrankungen wie der Lupus erythematodes und Sjögren-Syndrom. Die sekundäre Form findet man insbesondere beim Typ I.

 

Klassifikation: Bei der membranoproliferativen GN unterscheidet man histologisch 3 Formen:

→ I: Typ 1: Ablagerungen von Immunkomplexen, bestehend aus IgM, IgG und C3, subendothelial und im Mesangium (mit 80% die häufigste Form). Der Komplementfaktor ist bei 70% der Erkrankten vermindert. Diese Form ist häufig mit weiteren Erkrankungen (Neoplasien, chronische Infektionen, etc.) 

→ II: Typ 2: Ablagerung innerhalb der Basalmembran (dense deposit diesease) mit Verdickung dieser. Nachweis von IgG-Autoantikörpern, die an die C3-Convertase des Komplementsystems bindet und das Enzym vor einer Inaktivierung schützt.

III: Typ 3: (Sonderform des Typ 1) Ähnlich wie bei der Typ I finden sich Immunkomplexe mesangial und subendothelial, jedoch noch zusätzlich auch subepithelial (d.h. zwischen Basalmembran und Podozyten). 

 

Klinik: Neben den Symptomen des nephrotischen Syndroms findet man eine arterielle Hypertonie und Hämturie.

→ I: Typ I: Charakteristikum ist das nephrotische Syndrom. Die glomeruläre Filtrationsrate ist nicht oder nur geringfügig eingeschränkt und die Prognose somit zumeist günstig.

→ II: Typ II: Diese Form kann sich als nephrotisches aber auch nephritisches Syndrom manifestieren. Klinische Zeichen des nephritischen Syndroms sind eine Makrohämatourie sowie eine progressive Abnahme der glomerulären Filtrationsrate (wie bei der RPGN).

 

Klinisch-relevant:

→ A) Typ 1: Hypokomplementämie von C3 und C4.

→ B) Typ 2: Isolierte Hypokomplementämie von C3 und IgG-Autoantikörper gegen die C3-Convertase.

 

Diagnose:

→ I: Zeichen eines nephrotischen Syndroms mit Hyperproteinurie (> 3,5g/d), Hypoproteinämie und Hypalbuminämie.

II: Persistierende Hypokomplementämie. Hierbei unterscheidet man:

→ 1) Typ 1: Verminderung der Komplementfaktoren C3 und C4.

2) Typ 2: Isolierte C3 Verminderung und Nachweis von Anti-C3-Konvertase-Antikörper.

III: Nierenbiopsie: Histologie:

 1) Typ 1: Man findet subendotheliale Immundepots, bestehend aus Komplementfaktoren und IgG. Als immunologische Reaktion folgt eine Proliferation der Mesangiumzellen. Dies zeigt sich als Doppelkontur der Basalmembran (Silberfärbung).

→ 2) Typ 2: Beim Typ 2 fehlt die Ausbildung der Doppelkontur, jedoch ist die Basalmembran massiv verdickt (durch Ablagerung in der glomerulären Basalmembran in der Lamina densa).

 

Therapie:

→ I: Kausale: Gerade bei der sekundären Form Behandlung der Grunderkrankung wie der akute -/chronische Hepatitis-C Infektion. Insbesondere bei einer membranoproliferativen GN aufgrund einer Hepatitis C sind Glukokortikoide kontraindiziert, da sie die Infektion verschlechtern.

II: Symptomatisch:

→ 1) Unspezifisch Therapie bei bestehender Hypertonie, Proteinurie, Hyperlipidämie: ACE- Hemmer, AT1 Hemmer, Statine und Diuretika.

→ 2) Bei Kindern kann versucht werden, die primäre Form mittels Kortikosteroiden, bei Erwachsenen mittels ASS und Dipyridamol zu behandeln. 

 

Prognose:

→ I: Beide Formen der membranoproliferativen Glomerulonephritis weisen eher einen ungünstigen Krankheitsverlauf auf. Bis zu 50% der Patienten weisen in einem Zeitraum von 5 Jahren eine Dialysepflichtigkeit auf.

→ II: Nach einer Nierentransplantation tritt häufig (bis zu 100% beschrieben) im Transplantat erneut eine membranoproliferative Gloermulonephritis auf.