Kardiales Syndrom X

Definition: Das Syndrom X ist durch die Manifestation pektanginöser Beschwerden mit (möglicher) pathologischer Ergometrie charakterisiert; jedoch fehlt der Nachweis einer objektivierbaren koronaren Angiopathie bzw. pathologischer Veränderungen des Myokards oder der Herzklappen.

 

Epidemiologie:

→ I: Die Häufigkeit des kardialen X-Syndrom ist bis heute immer noch nicht bekannt.

II: Es ist zumeist das weibliche Geschlecht (postmenopausal) betroffen und der Krankheitsbeginn liegt zwischen der 4.- 5. Lebensdekade.

 

Ätiopathogenese:

→ I: Der genaue Pathomechanismus ist nicht genau bekannt, vielmehr werden:

→ 1) Mikrozirkulationsstörungen der kleinen und kleinsten Gefäße (< 1mm; deshalb auch „small-vessel-disease“ bezeichnet),

→ 2) Abnorme endotheliale Regulation sowie

→ 3) Die verminderte koronare Flussreserve (aufgrund einer verminderten Vasodilatation der kleinen präkapillären Widerstandsgefäße auf Vasodilatatoren) angenommen.

→ II: Ob Hypercholesterinämie, arterielle Hypertonie oder eine psychogene Ko-Genese dabei eine Rolle spielen, ist noch nicht endgültig geklärt.

→ III: Patienten mit Syndrom-X scheinen jedoch ein überhöhtes Schmerzempfinden zu haben, als Menschen ohne dieses Syndrom.

 

Klinik:

→ I: Das klinische Bild ist geprägt durch eine (nicht immer belastungsabhängige) pektanginöse Symptomatik.

→ II: Typischerweise variieren die kardialen Schmerzepisoden sehr stark in ihrer Häufigkeit und Intensität.

→ III: Die Beschwerden können durch sympathische Stimuli wie Anstrengung, Kälte und negative Stressoren getriggert werden.

 

Diagnose:

→ I: Anamnese/Klinische Untersuchung:

→ 1) Eurierung von sowohl belastungsabhängiger, als auch belastungsun- klinischer Symptomatik.

→ 2) Bei der klinischen Untersuchung lässt sich kein richtungsweisender Befund nachweisen, vielmehr ist das Ruhe-EKG in der Regel unauffällig.

II: Belastungs-EKG: Evtl. nicht-spezifische Veränderungen der ST-Strecke sowie der T-Welle (manifestieren sich in 20% der Fälle).

→ III: Weitere Untersuchungen:

→ 1) Angiographie: Zum Ausschluss einer Makroangiopathie der Koronargefäße.

→ 2) Die Koronardoppleruntersuchung dient der Darstellung der eingeschränkten koronaren Flussreserve (in diesem Zusammenhang können Rückschlüsse auf die Konstriktion bzw. Dilatation der präkapillaren Widerstandsgefäße geschlossen werden).

 

Klinisch-relevant: Bei der Diagnosestellung ist der Ausschluss einer Myokardischämie (mittels z.B. Myokardszintigraphie oder Stressechokardiographie) bzw. einer extrakardialen Ursache obligat.

 

Differenzialdiagnose: Von dem kardialen Syndrom X müssen insbesondere nachfolgende Erkrankungen abgegrenzt werden:

→ I: KHK und das akute Koronarsyndrom,

→ II: Tako-Tsubo-Kardiomyopathie.

III: Weitere Erkrankungen: Wie z.B. Mitralklappenprolaps, Lungenembolie, etc.

 

Therapie:

→ I: Eine evidenzbasierende medikamentöse Therapie des kardialen Syndrom X existiert bis heute nicht.

→ II: Es hat sich aber in kleineren Studien eine positive Wirkung von Kalziumantagonisten und ACE-Hemmern bezüglich der Intensität und der Frequenz der Anfälle gezeigt.

Prognose:

→ I: Die Prognose des Syndrom X ist sehr gut und altersentsprechend normal.

→ II: Alleinig repetitive Krankenhausaufenthalte und diagnostische Eingriffe können die Lebensqualität erheblich einschränken.