Liddle-Syndrom / Pseudohypoaldosteronismus

Definition: Beim Liddle-Syndrom handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte (auf Chromosom 16 lokalisierte) Erkrankung mit Mutation der beta- und gamma Subeinheiten des Amilorid-sensitiven epithelialen Natriumkanals (ENaK) im renalen Sammelrohr (bzw. distalen Tubulus) und konsekutiver pathologischer Retention von Natrium und Wasser.

Ätiopathogenese:

→ I: Ursache ist eine autosomal-dominant vererbte Hyperaktivität bzw. Zunahme der epithelialen (luminal-gelegenen) Natriumkanäle im Bereich der apikalen Membran der distalen Tubuli/Sammelrohre.

→ II: Durch eine Mutation der Beta- und Gamma-Untereinheiten der Kanäle entwickelt sich eine Störung mit fehlender Inaktivierung dieser.

III: Folge: Ist eine pathologische Retention von Natrium und Wasser (= Volumenexpansion) sowie eine vermehrte Sekretion von Kalium.

 

Klinisch-relevant: Charakteristikum ist ein deutlich erniedrigte Plasmakonzentration und Urinausscheidung von Aldosteron und dessen Metaboliten. Die klinische Symptomatik tritt zumeist schon im Jugendalter auf.

 

Klinik: Wird auch als Pseudo-Hyperaldosteronismus bezeichnet und weist ein charakteristisches Symptom-Trias, bestehend aus:

I: Arterielle Hypertonie durch Natrium- und Wasser-Retention.

II: Hypokaliämie mit Muskelschwäche, Parästhesien und evtl. Paresen.

III: Metabolische Alkalose  mit pH ↑, Bikarbonat (akutell) ↑, Bikarbonat (Standard) ↑, Base excess ↑ und pCO2 normal (bei der teilweis-kompensierten Form ist es ↑).

 

Diagnose:

→ I: Anamnese, klinische Untersuchung. Der Blutdruck ist schon im Jugendalter deutlich erhöht.

II: Labor:

→ 1) Elektrolyte: Man findet typischerweise eine Hypernatriämie, sowie eine Hypokaliämie.

→ 2) Aldosteron: und Renin sind im Plasma charakteristischerweise erniedrigt.

 

Differenzialdiagnose:

→ I: Lakritzabusus: Anamnestischer Ausschluss eines Lakritzabusus.

II: Primärer Hyperaldosteronismus: (= Morbus Conn) Hierbei jedoch ist die Plasmakonzentration von Aldosteron erhöht.

→ III: Adrenogenitales Syndrom mit Salzretention.

 

Therapie: 

→ I: Diese erfolgt konservativ durch diätische Natrium-arme Kost und Kaliumsubstitution.

→ II: Medikamentös kann die Hypertonie und Hypokaliämie mit einem kaliumsparenden Diuretikum, wie Amilorid oder Triameteren (in einer Dosis von 5-10mg/kgKG/d), gut behandelt werden.

→ III: Das Liddle-Syndrom spricht überhaupt nicht auf eine medikamentöse Therapie mit einem Minteralokortikoid-Rezeptorantagonisten wie Spironolacton an.