Mittellappensyndrom

Definition: Beim Mittellappensyndrom handelt es sich um eine persistierende oder aber auch rezidivierende Atelektasen des rechten Lungenmittellappens.

 

Ätiologie: Nach der Entstehung unterscheidet man zwischen einem:

→ I: Idiopathischen Mittellappensyndrom mit 75% der Fälle die häufigere Form und

II: Einem sekundären, erworbenen Mittellappensyndrom. Ursachen sind rezidiverende Infektionen der unteren Atemwege mit Schleimhautschwellung und Sekretverlegung. Jede pulmonale Atemwegserkrankung fördert die Entstehung fibrotischer Narben und erhöht konsekutiv die Atelektase-Wahrscheinlichkeit.

 

Pathogenese: Der Mittellappen ist besonders häufig betroffen, da hier das Bronchiallumen, bezüglich seines anatomischen Aufbaus, eng und lang angelegt ist, einen spitzen Abgangswinkel aufweist und im Vergleich zu den anderen Lungenlappen nur wenig Kollateral-Ventilation existiert, da dieser durch den rechten Ober- und Unterlappen durch eine komplette Fissur getrennt ist.

 

Klassifikation:

→ I: Idiopathische Form:

→ 1) Verursacht durch einen anatomisch sehr eng angelegten Mittellappenbronchus mit schlitzförmigen Lumen.

→ 2) Mittellappenbronchus, der von dicht anliegenden Lymphknoten umgeben ist.

→ II: Sekundäre Form:

→ 1) Meist hervorgerufen durch rezidivierende Infektionen der unteren Atemwege mit Schleimhautschwellung und Sekretstau, die eine fibrotische Vernarbung induzieren.

→ 2) Seltene Ursachen sind Bronchialerkankungen wie das Asthma bronchiale, Bronchiektasen, zystische Fibrose oder Tumoren (z.B. Bronchialkarzinom).

 

Klinik:

→ I: Evtl. leichte pleurale Schmerzen, die bei Inspiration zunehmen, des Weiteren subfibrile Temperaturen, rezidivierende Pneumonie im Bereich des Mittellappens mit evtl. blutig-eitrigem Auswurf.

→ II: Gerade bei der sekundären Form wird die Symptomatik durch die bestehende Grunderkrankung bestimmt.

 

Klinisch-relevant: Ein nachweisbarer pulmonaler Funktionsverlust besteht beim Mittellappensyndrom in der Regel nicht.

 

Diagnose:

→ I: Anamnese/klinische Untersuchung: Gestaltet sich schwer, evtl. Klopfschalldämpfung oberhalb des Zwerchfells ventral.

→ II: Bildgebende Verfahren:

→ 1) Röntgen: Ist wegweisend; es stellt sich eine scharf-begrenzte homogene Verschattung kaudal des rechten Oberlappens dar. Eine Restitutio ad integrum führt zu einem vollständigen Verschwinden der Verschattung.

2) Bronchoskopie:

→ A) Meist Darstellung eines schmalen langen Mittellappenbronchus mit evtl. leichter Rötung des Bronchialepithels, ansonsten unauffällig.

→ B) Nur selten lassen sich intraluminale Obstruktionen evtl. tumoröser Genese nachweisen. Gegebenenfalls ist eine Zangenbiopsie und eine bronchopulmonale Lavage mit Histologie und Kulturen indiziert.

 

→ Differenzialdiagnose: Von dem Mittellappensyndrom müssen insbesondere nachfolgende Erkrankungen abgegrenzt werden:

 075 Differenzialdiagnose des Mittellappensyndroms

 

Therapie:

→ I: Das idiopathische Mittellappensyndrom ist zumeist gutartig und hat einen selbstlimitierenden Verlauf.

→ II: Medikamentös: Behandlung der Grunderkrankung mittels antibiotischer, evtl. antiphlogistischer-bronchospasmolytischer oder steroidaler Therapie.

III: Operativ: Eine Mittellappenresektion ist bei einem durch Tumoren oder Bronchiektasen verursachten Mittellappensyndrom indiziert.