Mittellappensyndrom

Definition: Beim Mittellappensyndrom handelt es sich um eine persistierende oder aber auch rezidivierende Atelektase (oder Teilatelektase) des rechten Lungenmittellappens. Es tritt insbesondere im mittleren Lebensalter auf. 

  Ätiopathogenese: Der Mittellappen ist besonders häufig betroffen, da hier das Bronchiallumen (= RML-Bronchus), bezüglich seines anatomischen Aufbaus, eng (= schlitzförmig) und langstreckig angelegt ist, einen spitzen Abgangswinkel aufweist und im Vergleich zu den anderen Lungenlappen nur wenig (keine) Kollateral-Ventilation existiert, da dieser durch den rechten Ober- und Unterlappen durch eine komplette Fissur getrennt ist; zudem ist der RML-Bronchus von zahlreiche Lymphknoten umgeben. Auslöser können peribronchial-obstruierende Lymphknoten z.B. infolge einer Tuberkulose (heutzutage sehr selten) sowie tumoröse Obstruktionen, aber auch rezidivierende Atemwegsinfektionen (vor allem die unteren Atemwege) mit Schleimhautschwellung und Sekreverlegung und konsekutiv narbigen Veränderungen (häufigste Ursache) sein. Denn jede Atemwegserkrankung fördert die Entstehung fibrotischer Narben und erhöht somit die Atelektase-Wahrscheinlichkeit.

378 Ursachen für die Entwicklung eines Mittellappensyndroms

 

Klassifikation:

→ I: Obstruktive Typ:

→ 1) Bronchusobstruktion infolge einer endoluminalen Pathologie. Ursachen hierfür sind u.a. endobronchiale Tumoren oder ein Fremdkörper.

→ 2) Die häufigere Ursache ist die extraluminale Pathologie durch Kompression von Außen aufgrund von Tumoren unterschiedlicher Genese oder Lymphknoten.

→ II: Nicht-obstruktiver Typ:

→ 1) Meist hervorgerufen durch rezidivierende Infektionen der unteren Atemwege mit Schleimhautschwellung und Sekretstau, die eine fibrotische Vernarbung induzieren.

→ 2) Seltene Ursachen sind Bronchialerkrankungen wie das Asthma bronchiale, Bronchiektasen, zystische Fibrose etc.

 

Klinik:

→ I: Evtl. leichte pleurale Schmerzen, die bei Inspiration zunehmen, des Weiteren subfibrile Temperaturen, rezidivierende und protrahierte Infekte bzw. Pneumonie im Bereich des Mittellappens mit möglichem blutig-eitrigem Auswurf.

→ II: Gerade bei der sekundären Form wird die Symptomatik durch die bestehende Grunderkrankung bestimmt.

→ III: Wichtige Komplikationen beim Mittellappensyndrom sind insbesondere:

→ 1) Fibrose und Bronchiektasen aufgrund von rezidivierenden Infekten mit chronischer Inflammation sowie

→ 2) Die Aspergilleninfiltration bzw. Aspergillose (gehäuft bei Asthmatikern).

 

Klinisch-relevant: 

→ A) Ein nachweisbarer pulmonaler Funktionsverlust besteht beim Mittellappensyndrom in der Regel nicht.

→ B) Im Bereich der linken Lungen existiert ein entsprechendes Syndrom, das "Lingulasyndrom".

 

Diagnose:

→ I: Anamnese/klinische Untersuchung: Gestaltet sich schwer, evtl. Klopfschalldämpfung oberhalb des Zwerchfells ventral.

→ II: Bildgebende Verfahren:

→ 1) Röntgen: Ist wegweisend; es stellt sich eine scharf-begrenzte homogene Verschattung mit Volumenminderung im p.a.-Bild kaudal des rechten Oberlappens dar. Eine Restitutio ad integrum führt zu einem vollständigen Verschwinden der Verschattung.

2) Bronchoskopie: Zum endoskopischen Ausschluss eines stenosierenden Tumors oder aspirierten Fremdkörpers:

→ A) Meist Darstellung eines schmalen langen Mittellappenbronchus mit evtl. leichter Rötung des Bronchialepithels, ansonsten unauffällig.

→ B) Nur selten lassen sich intraluminale Obstruktionen evtl. tumoröser Genese nachweisen. Gegebenenfalls ist eine Zangenbiopsie und eine bronchopulmonale Lavage mit Histologie und Kulturen indiziert.

 

→ Differenzialdiagnose: Von dem Mittellappensyndrom müssen insbesondere nachfolgende Erkrankungen abgegrenzt werden:

377 Differenzialdiagnosen des Mittellappensyndroms

 

  Therapie:

→ I: Wichtige Allgemeinmaßnahmen sind die Sekretolyse und die Atemphysiotherapie bzw. Atemgymnastik.

→ II: Medikamentös: Behandlung der Grunderkrankung mittels antibiotischer, evtl. antiphlogistischer-bronchospasmolytischer oder steroidaler Therapie.

III: Operativ: Eine Mittellappenresektion ist bei einem durch Tumoren oder Bronchiektasen verursachten Mittellappensyndrom indiziert.