Undifferenziertes-anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

Definition: Beim undifferenzierten-anaplastischen Schilddrüsenkarzinom handelt es sich um eine rasant wachsende, hoch aggressive undifferenzierte Neoplasie. Es nimmt nicht am Jodstoffwechsel teil und ist somit nicht mit einer Radiojodtherapie behandelbar.

 

Epidemiologie:

→ I: Ist mit 5% eine seltene Form des Schilddrüsenkarzinoms.

→ II: Das undifferenzierte SD-Karzinom manifestiert sich häufiger bei Frauen als bei Männer und tritt bevorzugt im höheren Lebensalter auf (nur selten entwickelt es sich vor dem 50. Lebenjahr).

 

Ätiologie: 

→ I: Ist nicht genau bekannt. Jedoch handelt es sich um ein hoch-malignes, rasch proliferierendes Karzinom, ausgehend von den Follikelepithelzellen.

→ II: Das undifferenzierte SD-Karzinom metastasiert frühzeitig hämatogen und lymphogen.

 

→ Pathohistologie: 

→ I: Das anaplastische Karzinom ist häufig durch einen Funktionsverlust des Tumorsuppressorgens p53 gekennzeichnet, zumeist aufgrund von Punktmutationen oder Gendeletionen; zudem wurden auch Ras- und BRAF-Mutationen gefunden (Bei einer BRAF-Mutation muss man davon ausgehen, dass es sich aus einem papillären SD-Karzinom entwickelt hat).

→ II: Das Malignom zeichnet sich durch eine hohe mitotische Aktivität, ausgedehnte Nekrosen und eine aggressive Invasion in extrathyreoidale Strukturen aus. Bei dem undifferenzierten SD-Karzinom werden aufgrund der vorherrschenden Zelltypen trotz häufiger Übergänge und Mischformen 3 Varianten unterschieden:

→ 1) Spindelzellige Form: Hier sind insbesondere spindelzellförmige-pleomorphe-Zellen nachweisbar.

→ 2) Riesenzellige Form: Mit monströsen Tumorriesenzellen und bizarr vergrößerten Zellkernen.

→ 3) Squamöse Form: Pleomorphe Tumorzellen, die noch eine rudimentäre, epitheliale Kohäsivität erkennen lassen.

500 Besonderheiten des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms

 

Klinik: Die klinische Symptomatik entwickelt sich zumeist innerhalb einiger Wochen bis Monate.

→ I: Sich rapid vergrößernde, asymmetrische Halsschwellung.

→ II: Weitere Symptome sind obere Einflussstauung, Stridor, Schluckbeschwerden, Heiserkeit und  Horner-Syndrom mit Mosis, Ptosis und Endophthalmus etc. (siehe auch differenziertes SD-Karzinom/medulläres SD-Karzinom).

 

Diagnose:

→ I: Schilddrüsenparameter sind unauffällig, 

→ II: Sonographie: Darstellung eines unscharf-begrenzten, echoarmen Areals,

→ III: Szintigraphisch stellt sich der Tumor als kalter Knoten dar.

→ IV: Feinnadelbiopsie und Aspirationszytolologie.

→ V: CT/MRT der Halsregion

→ VI: Metastasensuche: Sono-Abdomen, Röntgen-Thorax, Knochenszintigraphie, PET.

498 Differenziernh differenziertes  undifferenziertes und medulläres Karzinom

 

→ Klinisch-relevant: Das undifferenzierte Schilddrüsenkarzinom weist keine typischen Tumormarker auf, jedoch exprimiert es Zytokeratin und Vimentin.

 

Therapie:

→ I: Allgemein: Beim anaplastischen Karzinom wird eine multimodale Therapie angesetzt, bestehend aus OP mit radikaler Thyreoidektomie und Lymphadenektomie (selten möglich), externer Radiatio und evtl. Chemotherapie.

→ II: Externe Radiatio: Das Malignom spricht sehr gut auf die Bestrahlung an und führt zu einer Abnahme der Tumormasse mit Nachlassen lokaler Symptome.

→ III: Chemotherapie: Mit Paclitaxen und Doxorubicin kann versucht werden.

 

Prognose: Die Prognose des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms ist aufgrund des invasiven destruktiven Wachstums und der fulminanten lymphogenen und häamtogenen Metastasierung praktisch nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung beträgt 6 Monate; die 5-Jahresüberlebenschance liegt unter 10%, wobei jüngere Patienten (< 45. Lebensjahr) eine bessere Prognose haben.