Trypanosomiasis / Schlafkrankheit

Definition: 

→ I: Bei der Trypanosomiasis handelt es sich um eine durch Protozoen (Trypanosoma) ausgelöste Infektionskrankheit (Endemiegebiet sind die Tropen).

II: Die Trypanosoma können 2 unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen.

1) Chagas-Krankheit: In Mittel- und Südamerika hervorgerufen durch das Trypanosoma cruzi, im Kot der Raubwanzen.

2) Schlafkrankheit: Wird in Afrika angetroffen und durch Trypanosoma brucei infolge eines Stich der Tsetse-Fliege herbeigeführt.

 

Schlafkrankheit: Die Schlafkrankheit wird durch den Einzeller (Protozoen) aus der Familie der Trypanosoma hervorgerufen. Je nach ihrem Ausbreitungsgebiet unterscheidet man:

A) Trypanosoma brucei gambiense: Kommt vorwiegend in Zentral- und Westafrika vor.

B) Trypanosoma brucei rhodesiense: Vorwiegend in Ostafrika.

 → I: Pathogenese:

→ 1) Die Übertragung der Trypanosoma brucei erfolgt über die tagaktive Tsetse-Fliege. Diese ist gerade in den tropischen Feuchtgebieten an Sümpfen und Flussläufen verbreitet. Mit dem Fliegenspeichel gelangt der Erreger über den Stichkanal in den Wirt.

2) Nach Infektion mit dem Protozoen Trypanosoma brucei kommt es zu einer ausgeprägten Immunantwort mit Bildung von Antikörpern. Die Trypanosoma werden von Glykoproteinen, den sogenannten variable surface glykoproteins (= VGA: Diese werden im Rahmen ihrer Vermehrung ständig produziert und exprimiert und variieren in ihrem Genom; es gibt bei den Trypanosomas mehr als 1000 dieser VSG-Gene) umgeben, um der menschlichen Immunantwort zu entgehen.

3) Die gebildeten Antikörper können zwar einen Teil der Antigene eliminieren, jedoch bleiben immer neu produzierte Antigene im Blutkreislauf des Wirts vorhanden.

→ II: Klinik: Die Krankheit verläuft in 2 Stadien, wobei der Krankheitsverlauf bei der Infektion mit Trypanosoma brucei rhodesiense schneller und ausgeprägter ist. 

→ 1) Stadium I: (Auch hämolytische Phase genannt). Hierbei kann man bei einem geringen Teil der Infizierten um die Eintrittspforte (= Einstichstelle) eine schmerzhafte, ödematöse Schwellung mit zentraler Blasenbildung, dem sogenannten Trypanosomenschenker, vorfinden.

→ 2) Stadium II: Ca. 1-3 Wochen nach Infektion kommt es zu Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Schüttelfrost, Ödem und Exanthembildung. Hinzu treten Anämie, Thrombozytopenie und IgM Erhöhung. Ein weiteres wichtiges Krankheitssymptom (der Trypanosomen) ist die Lymphknotenadenopathie vor allem im Nacken- und hinterem Halsbereich. Sie wird auch Winterbottom Zeichen bezeichnet und kann über Monate persistieren. Es ist ein Zeichen für die Vermehrung und Ausbreitung des Erregers über das Lymphsystem. Begleitend mainfestiert sich nicht selten eine Splenomegalie, Myokarditis und bei dem Trypanosoma brucei rhodesiense eine Polyserositis.

→ 3) Stadium III: Wird auch meningoencephalitische Phase bezeichnet. Ca. 4-6 Monate nach der Infektion (bei der Trypanosoma brucei rhodesiense eindeutig früher) kommt es infolge der ZNS-Invasion zur progredienten Enzephalitis mit zunehmenden Persönlichkeitsveränderungen, Verwirrtheitszuständen, Schlaf- und Koordinationsstörungen, Krampfanfällen, Lethargie und Apathie sowie Kachexie.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Bei der Trypanosoma brucei gambiense (in Zentral- und Westafrika) steht die Meningoencephalitis im Vordergrund.

B) Die Trypanosoma brucei rhodesiense (in Ostafrika) zeigt einen fulminanten Krankheitsverlauf mit zusätzlicher kardialer Beteiligung und führt unbehandelt rasch zum Tod.

 

→ III: Diagnose:

→ 1) Stadium I: Erregernachweis im Blut (dicker Tropfen) oder mittels Lymphknotenbiopsat. 

2) Stadium II: Zusätzliche Untersuchung des Liquors. Hierbei findet man eine Pleozytose. Nachweis der Parasiten-DNA mittels PCR. 

→ IV: Therapie:

→ 1) Allgemein: Die zur Verfügung stehenden Medikamente weisen eine hohe Toxizität auf. Geraden im Stadium III bei Befall des ZNS bleiben irreversible neurologische Schäden bestehen.

2) Stadium I: Gabe von Suramin i.v.

3) Stadium II: Melarsoprol oder Eflornithin.

→ V: Prophylaxe:

→ 1) Eine präventive Impfung exisitiert bei heute noch nicht. 

→ 2) Expositionsprophylaxe wie Tragen von langer, heller Kleidung, Insektennetze etc. 

3) Vektorbekämpfung oder Repellents.

 

Chagas-Krankheit: Siehe dort.