Herzbeuteltamponade / Perikardtamponade

Definition: Bei der Perikardtamponade handelt es sich um eine plötzliche Flüssigkeitsansammlung (meist von Exsudat oder Blut) im Bereich des Herzbeutels mit Beeinträchtigung der diastolischen Ventrikelfüllung und der hämodynamischen Funktion (Gefahr des kardiogenen Schocks). Die Perikardtamponade stellt einen absoluten medizinischen Notfall dar.

  Ätiologie:

→ I: Stumpfes Thoraxtrauma, therapeutischer Kathetereingriff, nach herzchirurgischen Operationen.

→ II: Herzwandruptur nach Myokardinfarkt (Dressler-Syndrom), Entzündungen des Herzens (z.B: Myokarditis, Perikarditis), Aortendissektion, Malignome, Urämie, Z.n. Bestrahlung, etc.

 

Pathophysiologie: Die Angleichung bzw. Übersteigerung des intraperikardialen Drucks an/über den rechts-/linksventrikulären enddiastolischen Druck führt zu einem deutlichen Abfall des HZV infolge einer unzureichenden diastolischen Ventrikelfüllung.

 

Verlaufsform:

→ I: Akut: Bei rapider Ergussbildung können schon geringe Flüssigkeitsmengen (100ml) durch die fehlende Anpassungsmöglichkeit des steifen Perikards zu hämodynamischen Funktionsstörungen führen.

→ II: Chronisch: Langsame Zunahme der intraperikardialen Flüssigkeitsmenge. Durch die Anpassung des Perikards können auch große Flüssigkeitsmengen ( 1000ml) nur geringe Symptome auslösen.

 

Klinik: Das Auftreten der charakteristischen Symptome wird durch die rapide Zunahme des Perikarergusses verursacht ( Perikarderguss 300-400ml):

→ I: Vegetativ: Unwohlsein, Schwindel, Schweißausbruch,

→ II: Kardiovaskulär: Tachykardie, Hypotonie, hoher ZVD > 25cm H2O mit sichtbaren Halsvenen durch Jugularvenenfüllung und Leberstauung.

 

Klinisch-relevant:

→ 1) Pulsus paradoxus: Ein Pulsus paradoxus besteht, wenn es inspiratorisch zu einem RR-Abfall von > 10-15mmHg kommt. Charakteristisch ist, dass hierbei der Puls deutlich abgeschwächt ist.

→ 2) Er manifestiert sich auch bei anderen Erkankungen wie:

→ A) Spannungspneumothorax,

→ B) Perikarditis constrictiva,

→ C) Restriktive Kardiomyopathie,

→ D) Asthmaanfall,

→ E) Lungenemphysem.

 

III: Kardiale Dekompensation: Weitere Abnahme des Blutdruckes, Herzinsuffizienz bis hin zum kardiogenen Schock.

 

Diagnose:

→ I: Anamnese/klinische Untersuchung: Es besteht ein typisches Diagnosetrias:

1) Low-output-Syndrom: Hypotonie, Tachykardie, Pulsus paradoxus;

→ 2) EinflussstauungTachypnoe, Jugularvenenfüllung, Kussmaul-Zeichen mit Anstieg des Venendrucks bei tiefer Inspiration,

→ 3) Leise Herztöne, nicht tastbarer Herzspitzenstoß.

→ II: EKG: Es bestehen keine spezifischen EKG-Veränderungen; jedoch zeigt sich oftmals ein Niedervoltage-EKG (siehe auch EKG-Veränderungen Herztamponade).

III: Röntgen-Thorax: Bei bestehendem Erguss manifestiert sich ein deutlich verbreiterte Herzsilhouette; bei der chronischen Form entwickelt sich durch die massive Flüssigkeitsansammlung eine "Bocksbeutelform" des Herzens.

IV: Echokardiographie: Ist das Mittel der Wahl mit Darstellung der Flüssigkeitansammlung (Blut, Exsudat), Kompression der Vorhöfe und Ventrikel und konsekutiver Füllungsbehinderung der Herzhöhlen, sowie einer Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit über der Mitral- und Trikuspidralklappe, während der Inspiration.

 

Differenzialdiagnose:

→ I: Spannungspneumothorax,

→ II: Akutes Rechtsherzversagen bei bestehender Lungenembolie

→ III: Konstriktive Perikarditis.

 

Therapie:

→ I: Mittel der Wahl bei der akuten Herztamponade ist die Perikardpunktion mit anschließender Einlage einer Perikarddrainage.

→ II: Eine chirurgische Intervention wie eine Perikardfensterung oder eine Perikardektomie ist

→ 1) Bei rezidivierenden, chronischen oder durch TBC verursachten Perikardtamponaden,

→ 2) Traumatischen bzw. perforierenden Herzverletzungen, sowie

→ 3) Bei postoperativ auftretenden Tamponaden indiziert.