Neuroleptika / Antipsychotika Allgemein

Definition:

→ I: Bei den Neuroleptika handelt es sich um psychotrope Substanzen, deren klinisch-therapeutischer Effekt es ist, eine dämpfende Wirkung auf psychomotorische Erregtheit, Aggressivität, aber auch auf psychotische Sinnestäuschungen (Halluzinationen), Wahngedanken, katatone Symptome und schizophrene Ich-Störungen zu haben.

→ II: Alle gängigen Neuroleptika weisen einen direkten D2-Rezeptorantagonismus und konsekutiv eine Drosselung der D2-vermittelten Transmission auf.

 

309 Wirkungen und Nebenwirkungen durch den D2 Rezeptorantagonismus

 

Klassifikation: Hierbei lassen sich 2 Hauptgruppen unterscheiden:

 I: Antipsychotika der 1.Generation: (= konventionelle Antipsychotika) Die hauptsächliche Wirkung erfolgt über die Hemmung der Dopamin-2-Rezeptoren und führt nicht selten schon in therapeutischer Dosierung zu extrapyramindal-motorischen Nebenwirkungen.

II: Antipsychotika der 2. Generation: Werden auch als atypische Antipsychotika bezeichnet. Ihr Wirkmechanismus erfolgt über den Serotonin-Rezeptor, weniger über D-2-Rezeptor und führen damit zu keinen/nur geringen extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen.

→ Wirkungsmechanismus: Der Wirkungsmechanismus der Neuroleptika wird durch die Beeinflussung der verschiedenen Neurotransmitter-Systeme charakterisiert. Alle Neuroleptika haben eine Bindungsaffinität zu den Dopamin- und 5-Hydroxytryptamin-Rezeptoren und in sehr unterschiedlichem Ausmaß für Noradrenalin-, Acetylcholin- und Histamin.

→ I: Dopaminerges System: Ein Dopaminanstieg verursacht psychotische Symptome. Neuroleptika sind Antagonisten am postsynaptischen D-2-Rezeptor (Ausnahme Clozapin antagonisiert am  D4-Rezeptor) im Innervationsgebiet dopaminerger Neurone. Zum dopamingeren System gehören:

→ 1) Mesolimbisches System: Reduktion der Positiv-Symptomatik wie Halluzinationen, Wahn, Ich-Erlebnis-Störungen, formale Denkstörungen etc.

→ 2) Mesokortikales System: Minderung der Negativ-Symptomatik

→ 3) Nigrostriatales System: Hervorrufen von extrapyramidal-motorischen Symptomen

→ 4) Tuberoinfundibuläres System: Steigerung der Prolaktinproduktion/-konzentration mit Hyperprolaktinämie und sexuellen Funktionsstörungen.

→ II: Serotonerges System: Durch Antagonisierung am Serotonin-Rezeptor haben Neuroleptika insbesondere Einfuss auf die Negativ-Symptomatik (z.B. Antriebslosigkeit, Affektverflachung, Gleichgültigkeit, Anhedonie etc.) psychotischer Störungen. Zudem manifestiert sich eine Reduktion extrapyramidal-motorischer Symptomatik.

→ III: Cholinerges System: Durch Hemmung der cholinergen Bahnen werden unerwünschte Wirkungen wie Mundtrockenheit, Akkomodationsstörungen, Obstipation, Blasenentleerungsstörungen bis hin zum Harnverhalten verursacht.

→ IV: Histaminerges System: Die Blockade dieser Bahnen ruft eine sedierende, zentral dämpfende Wirkung hervor, die bei der Akutherapie psychotischer Störungen genutzt wird; in der Langzeitbehandlung ist dies jedoch unerwünscht.

→ V: Adrenerges System: Durch Hemmung der adrenergen Bahnen treten unerwünschte Wirkungen wie Hypotonie, Tachykardie und Schwindel auf. Gerade Levomepromazin hat eine ausgeprägte Affinität zum adrenergen System.

 → Klinisch-relevant: Während die klassischen Neuroleptika in unterschiedlichem Maße auf die Neurotransmitter-Systeme einwirken, haben die atypischen Neuroleptika ein viel differenzierteres Wirkungsprofil. Sie binden fast ausschließlich an serotonerge und dopaminerge Rezeptoren, sodass sie eine gute Wirksamkeit auf die Positiv- bzw. Negativ-Symptomatik psychotischer Störungen aufweisen und gleichzeitig die unerwünschten Wirkungen (z.B die EPMS) minimiert. 

→ Wirkung:

→ I: Akute Wirkung: Psychomotorische Dämpfung und Sedierung mit Minderung der Erregung und möglichen Aggressivität bestehen schon zu Therapiebeginn und sind sowohl bei Gesunden als auch bei psychisch Kranken nachweisbar (= Sedativum).

→ II: Antipsychotische Wirkung: Unter Neuroleptikatherapie kommt es zur Distanzierung von psychotischen Symptomen. Die Wirkung tritt erst nach einer Latenz von Wochen ein. 

 Indikation: Klassische Indikationen für die Verabreichung von Antipsychotika sind:

I: Behandlung der akuten Schizophrenie oder im Zuge der Rezidivprophylaxe.

→ II: Schizoaffektive Störungen: Stellen Mischpsychosen mit Symptomen aus dem schizophrenen und manisch-depressiven Formenkreis (z.B. schizodepressive oder schizomanische Episoden) dar.

III: Akuttherapie der Manie sowie zur Rezidivprophylaxe.

IV: Behandlung von psychotischen (wahnhaften) Symptomen im Rahmen einer wahnhaften Depression.

→ V: Therapie der therapieresistenten Zwangsstörungen.

VI: Behandlung von Erregunszuständen im Zuge verschiedener psychischer Erkrankungen wie organisch psychische Störungen. So hat sich die Substitution von einem niedrig-dosierten Neuroleptikum wie Haloperidol (1-4mg/d) bei psychotischen Symptomen im Zuge einer Demenz etabliert.

VII: Behandlung von psychomotorischer Unruhe, Schlafstörungen bei verschiedenen Erkrankungen.

VIII: Delir, Verwirrtheitszustände, Angstzustände.

 

→ Nebenwirkungen: Wichtige Nebenwirkungen unter der Therapie von Antipsychotika sind:

I: Extrapyramidal-motorische Störungen: Zu den EPMS zählen insbesondere:

→ 1) Frühdyskinesien: Es handelt ich um akute hyper- oder dyskinetische Bewegungsstörungen.

→ 2) Spätdyskinesien: Verspätete motorische Bewegungsstörungen insbesondere im Gesichtsbereich (z.B. Kau- und Schmatzbewegungen) und den distalen Muskelgruppen.  

3) Akathisie: Sitzunruhe zumeist mit Drang nach Bewegung (=Tasikinesie) kombiniert.

→ 4) Parkinsonoid: Mit Rigor, Tremor und Akinese.

→  II: Weitere Nebenwirkungen: Sind u.a.

→ 1) Appetitsteigerung mit Gewichtszunahme, Diabetes mellitus etc.

→ 2) EKG-Veränderungen mit Verlängerung der QT-Zeit und erhöhter Gefahr der Entwicklung eines Torsades-de-pointes-Tachykardie.

→ 3) Blutbildveränderungen mit Leukozytopenie und Agranulozytose.

051 Nebenwirkungen der Neuroleptika

 Klassifikation: Bei den Neuroleptika handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Psychopharmaka, die insbensondere zur Behandlung psychotischer Störungen eingesetzt wird. Sie werden primär in 2 Klassen unterteilt:

→ I: Antipsychotika der 1. Generation: (= klassiche Neuroleptika) Werden bezüglich ihrer chemischen Struktur und ihrer neuroleptischen Potenz unterteilt in:

1) Trizyklische Neuroleptika: Hierzu gehören:

A) Phenothiazine: Chlorpromazin, Levomepromazin (niederpotent), Promethazin (niederpotent), Perphenazin (hochpotent), Fluphenazin (hochpotent), Perazin (mittelpotent), Thioridazin (niederpotent).

B) Thioxanthene: Chlorprothixen (niederpotent), Flupenthixol (hochpotent).

2) Butyrophenone: Haloperidol (hochpotent), Bromperidol (hochpotent), Benperidol (hochpotent), Melperon (niederpotent)

→ 3) Diphenylbutylpiperidine: Pimozid (hochpotent), Fluspirilen (hochpotent).

Die Hauptwirkung der klassischen Antipsychotika ist der Dopamin-2-Rezeptorantangonismus und demzufolge besteht vorwiegend eine positive Beeinflussung der Plussymptomatik.

 

Klinisch-relevant: Nieder- und hochpotente Neuroleptika weisen ein unterschiedliches Wirkprofil auf und haben dadurch auch unterschiedliche Einsatzgebiete.

A) Niederpotente Neuroleptika:

→ 1) Haben eine stark sedierendenund stark Antriebs-hemmende Wirkung  

2) Weisen nur eine geringe antipsychotische Wirkung auf.

3) Haben stark anticholinerge, aber nur geringe extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen.

B) Hochpotente Neuroleptika:

→ 1) Haben geringe sedierende und Antriebs-hemmende Wirkungen.

2) Weisen eine starke antipsychotische Wirkung auf.

3) Haben geringe anticholinerge, jedoch starke extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen.

→ C) Faustregel: Je höher die neuroleptische Potenz, desto höher die antipsychotische Wirkung und desto geringer die sedierende Wirkung.

009 Niederpotente hochpotente Antipsychotika

II: Antipsychotika der 2. Generation: Hierzu gehören u.a. Risperidon, Quetiapin, Olanzapin, Amisulprid, Aripripazol und Clozapin.

1) Definition: Pharmakologisch handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Substanzen mit unterschiedlicher Wirkstärke und unterschiedlichen NW (Gewichtszunahme, Prolaktinsekretion, Sedierung).

 → 2) Wirkung: Die atypischen Antipsychotika weisen eine gute antipsychotische Wirkung auf die Plussymptome, aber auch eine hinreichende Wirkung auf die Minussymptome auf und haben geringe/fehlende extrapyramidal-motorischen NW.

 3) Wirkmechanismus:

→ A) Antagonismus an den 5-HT2A-(Serotonin-II)-Rezeptoren.

B) Geringe Affinität zum D-2-Rezeptor.

C) Bevorzugte Blockade im Bereich des mesolimbischen Systems, weniger des nigrostriatalen Systems.

D) Verstärkte Blockade der Dopamin-1 und Dopamin-4 Rezeptoren.