Suizidalität / Definition und Epidemiologie

Definition: Die Suizidalität bezeichnet die Summe aller Denk und Handlungsweisen eines Menschen oder -gruppe, die durch aktive Verrichten, Unterlassen von lebenserhaltenden Maßnahmen etc. den eigenen Tod hervorrufen oder diesen in Kauf nehmen.

→ I: Suizid: Hierunter versteht man die absichtliche Selbstschädigung mit tödlichem Ausgang.

→ II: Suizidversuch: Beschreibt die absichtliche Selbstschädigung mit dem Ziel der Selbsttötung bzw. der Möglichkeit des tödlichen Ausgangs.

III: Parasuizid: Es handelt sich um eine absichtliche Selbstschädigung, die prinzipiell für einen Suizid geeignet ist, (z.B. Tabletteneinnahme, Selbstverletzung) jedoch besteht hier keine Intention der Selbsttötung, sondern vielmehr andere Motive (Hilferuf).

→ IV: Erweiterter Suizid: Neben der Selbsttötung werden gegen deren Willen andere Personen vorher getötet. Findet man gerade bei Müttern mit wahnhafter Depression oder Schizophrenie, die aus Verzweiflung (Altruismus) ihre Kinder mit in den Tod nehmen.

→ V: Gemeinsamer Suizid: Zwei oder mehrere Personen begehen einvernehmlich Selbstmord (Suizidpakt); betrifft vorwiegend ältere Ehepaare.

 VI: Massensuizid: Hierbei kommt es aufgrund von kulturellen Normen und Gesetzten in bestimmten Extremsituationen zum Suizid ganzer Gemeinden (gerade bei Sekten). Findet man jedoch sehr selten.

VII:Weitere Suizidphänomene:

→ 1) Wunsch nach Ruhe, Pause und Veränderungen mit dem Risiko zu sterben.

→ 2) Todeswunsch: Wunsch, nicht mehr zu leben.

→ 3) Suizidgedanken: Gedanken, sich das Leben zu nehmen.

→ 4) Suizidideen: Umfasst das Nachdenken über den Tod allgemein, über den eigenen Tod sowie den Wunsch zu sterben als auch konkrete Vorstellungen und Pläne.

→ 5) Suizidabsicht: Absicht, sich das Leben zu nehmen.

 

Epidemiologie:

→ I: Die Suizidrate hat seit den achziger Jahren deutlich abgenommen und beträgt in der Mitte 12,4/100000/Jahr (jedoch besteht eine hohe Dunkelziffer).

→ II: Der Suizid gehört in den westlichen Industrieländern immer noch zur 10. häufigsten Todesursache. Es gibt immer noch doppelt so viele Selbsttötungen wie Verkehrsunfälle.

→ II: Soziologische Verteilung:

→ 1) In Ungarn und den baltischen Staaten ist die Suizidrate mit 39,1% am höchsten, in Italien mit 6,8% am geringsten.

→ 2) In Großstädten ist sie deutlich häufiger nachweisbar als in ländlichen Regionen.

 3) Während die Suizidrate in Kriegszeiten rückläufig ist, nimmt sie während wirtschaftlicher Krisen zu.

→ 4) Auch unterliegt die Suizidhäufigkeit jahreszeitlichen Schwankungen. So werden insbesondere im Frühjahr (Sommer) die meisten Suizide begangen.

III: Manifestationsalter:

→ 1) Vor den 40. Lebensjahr ist der Suizid die häufigste Todesursache, wobei Männer 3x häufiger als Frauen betroffen sind (bei Frauen ist jedoch der Suizidversuch 2-3 mal häufiger).

→ 2) Die Suizidrate steigt nach dem 60. Lebensjahr wieder exponentiell an. Das ungarische Muster stellt die Manifestationswahrscheinlichkeit der Selbsttötung im Alter dar. 

557 Wichtige Faktoren des Suizids und Parasuizids

→ IV: Parasuizid:

1) Hier ist die Inzidenz nicht genau bekannt.

2) Jedoch sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer.

→ 3) Der Manifestationsgipfel liegt zwischen dem 15.-25. Lebensjahr.

 

Klinisch-relevant: 

→ A) 90% aller Suizide stehen im direkten Zusammenhang mit einer weiteren psychischen Erkrankung (Ätiologie der Suizidalität) wie der:

→ 1) Depression

→ 2) Schizophrenie,

→ 3) Abhängigkeitserkrankungen wie die Alkoholabhängigkeit,

 4) Persönlichkeitsstörungen, insbesondere die emotional-instabile PS und

→ 5) Angsterkrankungen.

→ B) Innerhalb der ersten 2 Jahre nach einem Suizidversuch wird dieser in 15-35% der Fälle wiederholt, wobei das Widerholungsrisiko im ersten Jahr am höchsten ist.

 

Suizidmethode:

→ I: Die Methode der Selbsttötung unterliegt individuellen, kulturellen und regionalen Faktoren und wird grob in 2 Formen unterteilt:

→ 1) Harte Suizid-Methode: Es werden Methoden wie Erschießen, Erhängen, Ertrinken und Sturz aus hoher Höhe zur Selbsttötung angewandt. Sie führen zum schnellen Tod und betreffen vorwiegend Männer oder Patienten im höheren Lebensalter.

→ 2) Weiche Suizid-Methode: Hier spielen Methoden wie Vergiftung durch Medikamente und Drogen eine wichtige Rolle. Betrifft oftmals Frauen.

(→ 3) Bizarre Suizide: Wie eigene Verbrennung, Tod durch Strom oder durch Abhaken der eigenen Extremitäten werden gerade von Patienten mit akuten Psychosen angewandt).

II: Suizidrezidivrisiko: Das Rezidivrisiko für die Selbsttötung ist im ersten Jahr mit 25% stark erhöht. Infolge dessen sollte immer bei der psychiatrisch-psychotherapeutischen Anamnese-Erhebung Suizidversuche eruiert werden.