Syndrom der Loge de Guyon

Definition: Bei dem Loge de Guyon Syndrom handelt es sich um ein Nervenkompressionssyndrom im Bereich des Guyon-Kanals (Durchtrittsstelle). Hierbei sind insbesondere der distale Ast des Ramus profundus des Nervus ulnaris (rein motorischer Ast) und der Ramus superficialis (sensibel) betroffen; der Ramus dorsalis ist hierbei nicht beteiligt.

765 Schematische Darstellung der Anatomie des Canalis Carpi und der Guyon Loge

 

Anatomie: Die Arteria und der Nervus ulnaris ziehen radial des M. flexor carpi ulnaris (Leitmuskel) in der Loge de Guyon zwischen Os pisiforme und dem Hamulus ossis hamati Richtung Hohlhand (teilt sich in seinen oberflächlichen und tiefen Ast auf). Hierbei zieht der N. ulnaris oberhalb des Retinaculum flexorum in die Hohlhand. Das Retinaculum flexorum und das Lig. pisohamatum bilden den Boden, die Fascia antebrachii das Dach der Loge.

767 Begrenzung der Loge Guyon

 

→ Ätiologie: Ursachen sind zumeist sekundäre (pathologische) Kompressionsfaktoren wie:

→ I: Ein prominenter Sehnenbogen des M. abductor digiti minimi oder M. flexor digiti minimi.

→ II: Extraanatomisch verlaufende Muskelbäuche.

→ III: Ein Ganglion oder Lipom sowie

→ IV: Rezidivierende traumatische oder mikrotraumatische Schädigungen (z.B. Fraktur des Hamulus ossis hamatum).

→ V: Weitere Ursachen: Sind

→ 1) Gefäßaneurysmen oder

→ 2) Eine Beschäftigungslähmung als sogenannte Radfahrerlähmung infolge einer externen Druckparese, die häufig mit einem karpalen Ganglion vergesellschaftet ist.

 

Klinik: Selten ist der sensible Ast des N. ulnaris, der Ramus dorsalis, betroffen. Durch die Kompression des Ramus profundus kann es zu motorischen Störungen folgender Muskel kommen:

→ I: Motorische Störungen: Des M. flexor digiti minimi, M. abductor digiti minimi, M. opponens digiti minimi, M. lumbricales III/IV, M. interossei palmaris und dorsalis, M. abductor pollicis und des tiefen Kopfes des M. flexor policis brevis. 

 II: Charakteristisch ist ein rascher, progredient motorischer Komplettausfall des N. ulnaris fast ohne Sensibilitätsstörungen.

→ III: Weitere Symptome: Sind insbesondere

 → 1) Schwäche beim Spreizen und Zusammenführen der Finger.

2) Durch die Atrophie der spezifischen Muskeln (s.o.) manifesiteren sich wie beim Sulcus-ulnaris-Syndrom muldenförmige Vertiefungen zwischen den Mittelhandknochen.

3) Durch die muskuläre Dysbalance kann sich eine Krallenstellung der Finger ausbilden.

766 Klassifikation ds Loge de Guyon Syndroms nach Gros

 

→ Klinisch-relevant: Im Gegensatz zum Sulcus-ulnaris-Syndrom fehlen beim Loge-de-Guyon-Syndrom Sensibilitätsstörungen im Bereich des ulnaren Handrückens, da sich der sensibel-innervierende Ramus dorsalis oberhalb der Loge de Guyon (= mittlerer Unterarm) vom N. ulnaris abspaltet.

 

  Diagnose:

→ I: Anamnese/klinisch-neurologische Untersuchung: Evtl. Sichtbare Krallenstellung insbesondere des Kleinfingers aber auch Ringfingers, sowie eine lokalisierte Druckdolenz im Bereich des Os pisiforme und Lig. pisohamatum.  

→ II: Elektrodiagnostik mit Messung der Nervenleitgeschwindigkeit zur Abgrenzung des Sulcus ulnaris Syndroms. Charakteristischerweise manifestiert sich eine Leitungsverzögerung des Ramus profundus.

 

Therapie:

→ I: Konservative Therapie: Lagerungsschiene in Neurtralstellung, Gabe von NSAR und Vit.B6. 

II: Operative Therapie: Ist insbesondere bei motorisch-neurologischen Defiziten bzw. bei fehlendem Therapieerfolg unter konservativer Behandlung (Zeitraum von 6 Wochen) indiziert. Es erfolgt nach Lokal- oder Regionalanästhesie eine 5cm lange Hautinzision im Bereich des ulnaren Handgelenkes mit Darstellung des N. ulnaris radial der Sehne des M. flexor carpi ulnaris (ähnliches Vorgehen wie beim Karpaltunnelsyndrom). Durch Spaltung der Fascia antebrachii (bildet das Logendach) evtl. unter Mitnahme des M. palmaris brevis kommt es zur Dekompression des Nerven.