Polyzystische Nierenerkrankungen / Autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung / ARPKD

→ Definition: Die polyzystische Nierenerkrankung bezeichnet ein genetisch bedingtes Krankheitsbild, bei dem es zu zahlreichen flüssigkeitsgefüllten Zysten in beiden Nieren kommt. Sie wird unterteilt in: 

→ I: Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) und 

→ II: Autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung (ARPKD).

 

→ ADPKD: (= autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung):

 

 ARPKD: (= Autosomal-rezessive polyzystische Nierenerkrankung):

Epidemiologie/Ätiologie:

→ I: Sie ist selten, tritt mit einer Inzidenz von 1/20000- 1/40000 und manifestiert sich häufig im Säuglingsalter.

→ II: Es handelt sich um eine Mutation des PKHD-1-Gens auf Chromosom 6 und

→ III: Kodiert das Fibrocystin, ein Protein, welches bei der Tubulogenese eine wichtige Rolle spielt.

 

Klassifikation: Je nach Manifestationsalter unterscheidet man zwischen:

→ I: Neonataler - ( Erkrankungsbeginn innerhalb des 1. Lebensmonats),

→ II: Infantiler - ( Erkrankungsbeginn innerhalb des 1.-3. Monats) und

→ III: Juveniler Form (Erkrankungbeginn zwischen dem 1.-5. Lebensjahr).

 

 Pathologie: Charakteristische schwammartige Schnittfläche der Niere infolge zystisch erweiterter Sammelrohre. Direkt unter der Nierenoberfläche ist ein kompaktes Nierenparenchym nachweisbar.

 

Klinik: Die betroffenen Neugeborenen weisen meist nur eine geringe Lebenserwartung auf.

→ I: Niere: Aufgrund der ausgeprägten bilateralen Nierenfehlbildung besteht intrauterin eine reduzierte Fruchtwassermenge (Oligohydramnion). Postpartal manifestiert sich frühzeitig eine progrediente Niereninsuffizienz bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz und akutem Nierenversagen.

→ II: Lunge: Zugleich entwickelt sich konsekutiv infolge der intraabdominellen Raumforderung oder bei gleichzeitig bestehender Lungenhypoplasie respiratorische Komplikationen (Atemnotsyndrom oder ARDS ).

III: Leber: Meist besteht zusätzlich eine kongenitale, unterschiedlich ausgeprägte Leberfibrose mit vermehrtem Bindegewebe in den Portalfeldern. Folge ist die Ausbildung einer portalen Hypertension, Leberzirrhose und die Gefahr der Entwicklung einer spontan bakteriellen Peritonitis

→ IV: Weitere Symptome: Sind frühzeitige Hypertonie und Gesichtsdysplasien (= Potter-Facies) verursacht durch eine verminderte Fruchtwassermenge mit kompressionsbedingten Fehlbildungen im kraniofazialen Bereich wie allgemein trockener faltiger Haut, infraorbital geschwungenen Hautfalten, Epikanthus, niedrig sitzenden Ohren und Verbreiterung bzw. Abflachung der Nasenwurzel sowie die Entwicklung eines Klumpfußes.

 

Klinisch-relevant: Etwa 50% der Fälle versterben innerhalb der ersten Lebensmonate an respiratorischen Komplikationen.

 

Diagnose:

→ I: Evtl. ausladendes Abdomen sowie palpabler Tumor.

→ II: Sonographie: Massiv vergrößerte Nieren mit gesteigerter Echogenität und dem klassischen Pfeffer-Salz-Muster (= echoreiches inhomogenes Nierenparenchym).

→ III: Urogramm: Zystische Erweiterungen der Sammelrohre.

→ IV: Zur Diagnosesicherung kann eine genetische Untersuchung durchgeführt werden.

 

Therapie:

→ I: Symptomatische Therapie:

→ 1) Behandlung der respiratorischen Insuffizienz,

→ 2) Symptomatische Therapie des arteriellen Hypertonus sowie der Leber- (z.B. splenorenaler-Shunt zur Behandlung der portalen Hypertension) und Niereninsuffizienz (z.B. Hämodialyse).

→ II: Meist ist eine Leber- und Nierentransplantation im Kindesalter die einzige Therapieoption.