Alpha-Glukosidasehemmer / Acarbose / Miglitol

Definition: Bei den Alpha-Glukosidasehemmern handelt es sich um orale Antidiabetika zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II Hierzu zählen insbesondere die Acarbose und Miglitol.

Wirkungsmechanismus:

→ I: Hauptwirkung ist die verzögerte intestinale Glukoseresorption (die Glukoseidase-Hemmer senken das HBA1c um 0,5-0,8%) durch verlangsamten Abbau der kompelxen Kohlenhydrate sowie Poly- und Disaccharide in Monosaccharide.

→ II: Da Acarbose und Miglitol, als Pseudotetrasaccharide, den Oligosacchariden ähneln, hemmen sie kompetitiv (reversibel) die intestinalen Alpha-Glukosidasen (Glukoamylase, Maltase, Saccharase), die ihrerseits die Disaccharide (Saccharose, Maltose und Laktose) spalten.

→ III: Folge ist die Verringerung des postprandialen Blutzuckeranstiegs durch Verzögerung der intestinalen Glukoseresorption und langfristige die Senkung des HbA1c-Wertes. Zudem weisen die Gukosidase-Hemmer eine günstige Wirkung auf die Triglyzeride auf.

→ IV: Zusätzlich aktivieren die ungespaltenen Kohlenhydrate im distalen Dünndarm das Enterohormon Glukagon-like-peptid, welches wiederum die Sensibilität der Beta-Zellen des Pankreas steigert.

 

Pharmakokinetik: Die Alpha-Glukosidasehemmer werden nach oraler Aufnahme nur in geringem Maße (1-2%) resorbiert. Der Großteil wird in Form seiner Stoffwechsel-Produkte bzw. unverändert über den Darm ausgeschieden; nur ein geringer Teil wird renal eliminiert.  

111 Pharmakokinetik der Alpha Glukosidase Hemmstoffe

 

Dosierung: Initial einschleichend Dosierung mit 3x 50mg vor den Mahlzeiten, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden; langsame Steigerung auf 3x 150-300mg/d bis zu einer Maximaldosis von 600mg/d.

 

Nebenwirkungen: Sie rufen insbesondere gastrointestinale Beschwerden mit Abdominalschmerzen und -krämpfen, Meteorismus, Flatulenz und Diarrhoe durch die Vergärung utilisierender Kohlenhydrate hervor. Vor allem die Acarbose kann ein Malassimilationssyndrom induzieren.

 

Klinisch-relevant: 

→ A) Die Nebenwirkungen entstehen aufgrund eines Gärungsprozesses nicht gespaltener Kohlenhydrate. Hohe Dosen sollten aufgrund dessen vermieden werden.

→ B) Bei den Glukosidase-Hemmern besteht insbesondere bei der Monotherapie keine Gefahr der Hypoglykämie und Gewichtszunahme.

 

Kontraindikationen: Sind insbesondere:

→ I: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und das Malassimilationssyndrom.

→ II: Schwere Niereninsuffizienz und

→ III: Schwangerschaft und Stillzeit.