Operante Therapieverfahren

  Definition: Die operanten Therapieverfahren haben das Ziel, meist nicht vorhandenes Verhalten aufzubauen, dessen Häufigkeit zu erhöhen und es zu stabilisieren. Hierfür existieren verschiedene Techniken:

 I: Positive Verstärker, negative Verstärker, Löschung, Aversionsverhalten, Ausformung Verkettung, Soufflierung, Verblassung und nicht zuletzt die Stimuluskontrolle.

→ II: Zudem gibt es noch spezielle operante Verfahren wie Token-System, Response-Cost-System und Time-out-Techniken.

 

→ Positive Verstärkung: Bezeichnet jedes (therapeutische) Verhalten, welches von einem Individuum als Belohnung oder Bestätigung angesehen wird. Wichtig hierbei sind die Kontingenz (Zusammenfallen) zwischen erwünschter Verhaltensweise und positiver Verstärker. Hierzu zählen primäre und sekundäre Verstärker

I: Primäre Verstärker: Erfüllen von Grundbedürfnisse wie Hunger durch Gabe von Essen erlebt der Betroffene ein positives Gefühl, nämlich Sättigung, ohne vorangegangenen Lernprozess. 

II: Sekundärer Verstärker: Setzt einen Lernprozess voraus. Der Betroffenen muss erst lernen, dass Lob wertvoll ist und er dieses annehmen darf.

III: Selbstverstärker: Hierbei kommt es zu einem kontingenten Verstärkung des eigenen Verhaltens durch Selbstinstruktion.

IV: Sozialer Verstärker: Die Verstärkung erfolgt nicht durch das Individuum selbst oder durch den Therapeut, sondern vielmehr durch das soziale Umfeld wie "Peer-groups", Bekannte oder Familienmitglieder.

V: Intermittierende Verstärkung: Sonderform der Verstärkung. Es wird nicht jedes erwünschte Verhalten verstärkt. Diese Form der Verstärkung ist besonders Löschungs-resistent.

VI: Negative Verstärkung: Hierbei erfolgt die Verstärkung durch das Wegfallen von negativen Konsequenzen (findet man häufig beim Erlernen von Vermeidungsverhalten).

VII: Löschung: Bezeichnet man den Ersatz von positiven oder negativen Verstärkern durch neutrales Verhalten. Ein Beispiel ist indem man bei einem Patienten, der sich selbst verletzt, nicht mit Besorgnis oder Zuwendung reagiert, sondern vielmehr mit neutralem Verhalten.

VIII: Stimuluskontrolle: Es werden gezielt Bedingungen geschaffen, um ein bestimmtes gewünschtes Verhalten zu fördern. Es wird z.B. ein Patient mit Bulimie angehalten sich täglich Essen vorzubereiten und sich an einen zuvor schön gedeckten Tisch zu setzten, um ein sinnvolles Essverhalten aufzubauen.

IX: Aversionsbehandlung: Hierbei werden bestimmte nicht-erwünschte Verhaltensweisen an kontingente (zeitlich-zusammenfallende) aversive Reize gekoppelt; angewandt in der Alkohol-Entwöhnungsbehandlung.

X: Ausformung: Es werden nicht-vorhandene oder nur rudimentär vorhandene, erwünschte Verhaltensweisen durch positive Verstärkung aufgebaut. Die positive Verstärkung erfolgt schon bei Erreichen von ersten Teilschritten des erwünschten Verhaltens (= Shaping).

XI: Verkettung: Hierbei werden mehrere neu zu erlernende Verhaltensweise miteinander verbunden. Es kommt erst zu einer positiven Verstärkung, wenn das komplette Verhalten erlernt und bis zum Ende durchgeführt wurde (= Chaining).

 

Komplexere Verfahren: Hierzu gehört das :

 I: Kontingenzmanagement: Es handelt sich um ein komplexeres Verfahren, bei dem es zum  Einsatz (= Management) von Verstärkern unter bestimmten Bedingungen. Hierbei unterscheidet man zwischen 2 Verfahren den Kontingenzverträgen und den Token-Economies

1) Kontingenzverträge: Hierbei werden zwischen Therapeut und Patient bestimmte Verhaltensziele wie z.B. das Erreichen eines bestimmten Gewichtes vereinbart sowie die entsprechenden Verstärker (Konsequenzen), bei Erreichen bzw. Nicht-Erreichen des Ziels. Das Verfahren gibt dem Patienten die Möglichkeit, eigenständig am Erreichen der Ziele zu arbeiten.

2) Token-Economies: Häufig sind zeitlich kontingente positive Verstärker schwere zu bekommen, sodass Münzen, Wertmarken (Murmeln) als generalisiert konditionierte Verstärker bei erwünschten Verhaltensweisen eingesetzt werden. Diese können dann als realer Wunsch (z.B. Audio-CD) eingelöst werden. Beispiele hierfür sind z.B. bei Rauchentwöhnung (da der sekundäre Verstärker nämlich die spätere Gesundheit zu abstrakt ist) aber auch Kinder mit ADHS.

II: Response-Cost-System: Ist ein Belohnungssystem, das in der Verhaltenstherapie angewandt wird. Hierbei wird im Gegensatz zum Token-Economies ein positiver Verstärker (vereinbarter), der beim Auftreten eines unerwünschten Verhaltens entzogen wird. Das Verfahren zielt besser unmittelbar auf das unerwünschte Verhalten ab und somit sind die Anwendungserfolge höher; aber möglicherweise weniger dauerhaft.

III: Time-out-Technik: Hierbei werden dem Patient bei einem unerwünschten Verhalten die möglichen Verstärker wie Zuwendung, aufmunterndes Zulächeln durch Gruppenmitglieder entzogen. Der Betroffene wird für einen Zeitraum (ca. 15min) aus dem Umfeld herausgenommen und in eine reizarme Umgebung gebracht.

 

Klinisch-relevant: Die "Time-out-Technik" darf nicht als Bestrafung, sondern vielmehr als Möglichkeit zur Besinnung über das Fehlverhalten angesehen werden.