Lichttherapie / Phototherapie

→ Definition:

→ I: Bei der Lichttherapie handelt es sich um ein nicht-pharmakologisches biologisches Therapieverfahren insbesondere zur Behandlung der saisonal-abhängigen Depression (= SAD) durch direkte Lichtexposition.

→ II: Auch bei gesunden Menschen bewirkt die Lichttherapie eine antriebssteigernde Wirkung und verbessert emotionale Befindlichkeiten.

 

→ Wirkungsmechanismus: Der Wirkungsmechanismus ist noch nicht genau bekannt, jedoch bestehen unterschiedliche Hypothesen:

→ I: Melatonin-Hypothese: Physiologischerweise ist die Plasmakonzentration des Hormons, Melatonin, morgens am höchsten und nimmt über den Vormittag infolge der Lichtexposition ab. Im Winter jedoch bleibt die Abnahme der Melatoninkonzentration aufgrund der geringen/fehlenden Lichtexposition aus. Dieser Pathomechanismus stellt eine wichtige Ursache für die Entstehung der SAD.

→ II: Photochemie-Hypothese: Hierbei erfolgt der antidepressive Wirkungsmechanismus der Lichttherapie ausschließlich über die Augen. Es werden Lichtimpulse, die die Photorezeptoren erreichen, in Nervenimpulse umgewandelt und über den Tractus retinohypothalamicus an das Gehirn weitergeleitet. Folge ist eine gesteigerte Aktivität im serotonergen und noradrenergen Transmittersystem.

 

 → Indikation:

→ I: Ist vor allem bei der saisonal-abhängigen Depression indiziert.

→ II: Weitere Indikationen: Der Einsatz der Lichttherapie kann u.a. supportiv bei der Behandlung von:

→ 1) Nicht-saisonal-abhängigen Depressionsformen wie z.B. die depressiven Episode (z.T wird eine additive Wirkung bei gleichzeitiger medikamentöser Behandlung mit Antidepressiva beobachtet).

→ 2) Durchschlafstörungen mit Früherwachen, aber auch nichtorganischen Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Jetlag und Schichtarbeit.

→ 3) Bulimia nervosa,

→ 4) Prämenstruellen dysphorischen Störungen und Wochenbettdepression,

→ 5) Negativsymptomen der Schizophrenie versucht werden.

→ 6) Des Weiteren kann im Alter eine Lichttherapie mit 2500 Lux zur Reduktion depressiver Symptome bzw. zur Verbesserung des Tag-Nacht-Rhythmmus von Demenz-Erkrankten führen.

 

→ Durchführung:

→ I: Es erfolgt eine Behandlung mit weißem, fluoreszierendem Licht, welches das gesamte Licht-Spektrum enthält und nur der ultraviolette Anteil ausgefiltert ist.

→ II: Die Beleuchtungsstärke sollte mindestens 2500 Lux bis maximal 10000 Lux betragen und in einem Abstand von 60-80cm vor dem Patienten platziert werden.

→ III: Es wird empfohlen das Verfahren täglich, insbesondere morgens nach dem Aufstehen über einen Zeitraum von 30min (10000 Lux) -2h (2500Lux) durchzuführen, wobei der Patient angehalten werden soll, mehrmals pro Minute direkt in die Lichtquelle zu schauen.

→ IV: Die Behandlung sollte vorwiegenden in den frühen Morgenstunden zwischen 6-8 Uhr über einen Zeitraum von mindestens 2-4 Wochen angewendet werden.

 

→ Wirkung:

→ I: Die Wirkung der Lichttherapie ist durch randomisierte Studien bei der Behandlung der saisonal-abhängigen Depression belegt.

→ II: Man findet in 60-90% der Fälle einen Therapieerfolg.

 III: Der Wirkungseintritt der Lichttherapie mit Nachweis eines antidepressiven Effektes erfolgt mit einer Latenz von 3-7 Tagen.

→ IV: Mit einer deutlichen Remission der Symptomatik ist bei adäquater Therapie zumeist nach 2-4 Wochen zu rechnen.

544 Zusammenfassung Lichttherapie

 

→ Klinisch-relevant: 

→ A) Bei nur partieller Remission ist eine Kombination mit einem Antidepressivum, insbesondere den SSRI wie z.B. Fluoxetin, Sertalin indiziert.

→ B) Bei einer Kombination der Lichttherapie mit trizyklischen Antidepressiva, den (trizyklischen) konventionellen Neuroleptika (aus der Gruppe der Phenothiazine z.B. Chlorpromazin, Levomepromazin, Perazin etc.) oder Lithium, wird eine augenärtzliche Verlaufskontrolle aufgrund von möglichen retinalen Läsionen empfohlen.

 

→ Nebewirkungen: Die Lichttherapie stellt generell ein sicheres Therapieverfahren dar. Mögliche Nebenwirkungen sind zumeist nur vorübergehend und schwach ausgeprägt. Hierzu zählen:

→ I: Augenbrennen,

→ II: Kopfschmerzen,

→ III: Sehstörungen,

→ IV: Leichte innere Unruhe und Gereiztheit, 

→ V: Evtl. Übelkeit,  

→ VI: Selten Hypomanie.

 

→ Kontraindikation: Ist vor allem die degenerative Retinopathie (ophthalmologische Kontrolle).